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und für die Lippen einer chriſtlichen Matrone ſchwatzeſt Du viel zu viel von Eurem heidniſchen Wodan.“
Hilda begegnete den blitzenden Augen des Ritters mit einer Stirne, worauf hohe Verachtung nicht ohne leiſen Schreck ſich ab⸗ malte.
„Kind,“ ſagte ſie, ihre Hand auf Edithens ſchöne Locken legend, „Das iſt der Mann, den Du nur zweimal in Deinem Leben ſehen ſollſt— blick auf, daß Du ihn Deinem Gedächtniß wohl einprägeſt!“
Editha hob unwillkürlich die Augen, welche, einmal auf den Ritter geheftet, wie durch einen Zauber an ihn gefeſſelt ſchienen. Sein Gewand, von ſo dunklem Karmoiſin, daß es neben der ſchneeweißen Tracht des Bekenners faſt ſchwarz ausſah, war mit einem breiten gold⸗ geſticktem Saume beſetzt; ſein feſter voller Hals, ſtark und kräftig wie eine Granitſäule, war ganz unbedeckt, und eine kurze Pelzjacke oder Halbmantel, der ihm über die Schultern hing, enthüllte in ihrer gan⸗
zen Breite ſeine Bruſt, welche dazu gebaut ſchien, das Vorrücken einer ganzen Armee aufzuhalten, während ſich an ſeinem linken Arme, der
zur Stütze für den Falken leicht gebogen war, die ſtarken Muskeln durch den engen Aermel rund und ſehnig hervorhoben. An Größe ragte eer nur wenig über die jetzige Männerhöhe empor;“ aber ſeine Hal⸗ tung, ſeine Miene, der Adel ſeiner großartigen Verhältniſſe ſtachen dermaßen ins Auge, daß er ſich unermeßlich über die andern zu erhe⸗ ben ſchien.
Sein Geſicht war übrigens noch merkwürdiger als ſeine Geſtalt; noch in der Blüthe der Jugend, ſchien er beim erſten Blicke jünger, beim zweiten älter als er wirklich war. Beim erſten Blicke jünger, denn ſein Geſicht war ganz glatt geſchoren, ſogar ohne den Schnurr⸗
bart übrig zu laſſen, wie ihn der ſächſiſche Höfling, als Nachahmung
der Normannen, noch immer abzulegen ſich weigerte, ſo daß das glatte Geſicht und der bloße Hals an ſich ſchon genügten, ſeinem gebietenden
„ S. Note A. am Ende des Werkes.


