107 „Stumm und todt“— hat mir außerordentlich gefallen, ob ich wohl den„Nachtwaͤchter mit der Laterne“ fuͤr Palaͤſtina nicht zuſagend finde. Er iſt gegen das Coſtuͤm: auch muß ich geſtehen, daß es mich duͤnkt, als wuͤrde bei theatraliſcher Aus⸗ fuͤhrung der Mann einen komiſchen Eindruck ma⸗
chen, und das ſoll er, dem Charakter des Stuͤckes
nach, doch nicht.— Wunderſchoͤn und wahrhaft klaſſiſch iſt die Stelle in der ſechsten Scene:„Licht iſt Leben, Licht iſt Freude!“— und ſo viele an⸗ dere, doch das ſind Einzelheiten. Wichtiger iſt das Ganze, und auch das hat mich, als Gedicht, vollkommen befriedigt. Durch die Verwebung der Allegorie mit der wirklichen Geſchichte, wie iſt das Intereſſe fuͤr uns feſtgeſtellt; es offenbart ſich eine naͤhere Beziehung auf unſer eigenes Herz, und wir ſind fortwährend geſpannt. Zu grell iſt der Uebergang vom Hochzeitfeſt zum einbrechenden Weltgericht(ſo erſcheint es wenigſtens dem Zu⸗ ſchauer) in der neunten Scene. Dieſe ganze Schil⸗
derung iſt fuͤr eine Illuſion zu ſtark.— Daß das
Schickſal der fuͤnf Thoͤrigen unentſchieden bleibt, iſt zwar von einer Seite gut, von einer andern
aber wieder nicht gut. Die Klippe der zu klaren
Entſcheidung, die hier um ſo gefaͤhrlicher waͤre,
da wir an Hoͤllenfahrten und dergleichen nicht
mehr glauben, iſt gluͤcklich vermieden. Aber wir erfahren auch faſt zu wenig von ihrer Kataſtrophe,


