—
47
Walter Scott allein im Gebiete der klaren Wirk⸗ lichkeit, Hoffmann dagegen in dem der wildeſten Phantaſtik lebt, verbietet jede Vergleichung; dage⸗ gen ſteht Hoffmann's Erſcheinung in merkwürdiger Parallele mit der Lord Byron's. Wenn auch der Letztere ſich eine ſcheinbar wirklichere Welt gebil⸗ det hat, ſo hat ſie doch eigentlich nur in ſeinem Geiſte ihre Exiſtenz, und ſchweift oft in das wild Phantaſtiſche aus. Aber Beider Verbindung iſt von noch geiſtigerer Art. Während Walter Scott's Welt in ſich abgeſchloſſen erſcheint, während er mit ſich ſelbſt und dem Leben in Frieden iſt,— treten Byron und Hoffmann, erſterer als Gegner, dieſer unbefriedigt von ihrer Erſcheinung, ſehnſuchtsvoll nach einer beſſern, welche er in einem Taumel und Nauſch durch ſchwelgenden Kunſtgenuß zu finden ſucht, auf. Beide ſind unbefriedigt und unzufrieden; nur läßt Byron dieſe Unzufriedenheit aus durch bittern Spott, Hoffmann durch humoriſtiſche Ironie. Beide wollen einen beſſern Zuſtand, jener weiß ihn aber gar nicht zu finden, dieſer ſucht ihn im potenzirten Genuß der Kunſt. Wie wir auch von der Zauberkraft in der Darſtellung beider Dichter mit fortgeriſſen werden, wie ſie uns auch einen ſtillfriedlichen, glücklichen Zuſtand malen, wir fühlen zuletzt doch, daß es nur ein gemalter Zuſtand geweſen iſt, daß mit den künſtlichen Teppichen, welche mit friſchem Grün und bunten Brumen uns anlachen, nur ein


