Teil eines Werkes 
5. Bdchen (1831)
Entstehung
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104 Alten auf die ſanfteſte Weiſe aus dem Schlafe zu bringen, ſang das Fraͤulein Wilhelmine leiſe: In der gruͤnen Farbe glaͤnzen, Iſt die ſchoͤnſte Wahl der Welt ꝛc.

Der Alte ſchien den Duft des Geſtraͤuchs, der Baͤume, der vorzuͤglich ſtark war, da die Linden in voller Bluͤte ſtanden, mit unendlicher Wonne ein⸗ zuathmen. Endlich ſchlug er mit einem tiefen Seufzer die Augen auf, und ſtarrte um ſich, doch, wie es ſchien, ohne einen Gegenſtand deutlich in's Auge faſſen zu koͤnnen. Der Doktor zog ſich leiſe zur Seite. Das Fraͤulein ſchwieg. Der Alte lallte kaum verſtaͤndlich:Grün!

Da ließ es die ewige Macht des Himmels ge⸗ ſchehen, daß eine beſondere anmuthige Gunſt des Schickſals die Liebe des Fraͤuleins lohnte, und die Bemuͤhungen des guten Doktors unterſtuͤtzte. In dem Augenblicke, als der Onkel das Wort:Gruͤn! lallte, fuhr naͤmlich ein Vogel tirilirend durch die Aeſte des Baums, und von dem Flattern ſeines Gefieders brach ein bluͤhender Zweig, und fiel dem Alten auf die Bruſt.

Da erwachte die Roͤthe des Lebens auf dem Antlitze des Alten. Er erhob ſich, und rief begei⸗ ſtert mit emporgerichteten Augen:Himmelsbote, ſeliger Himmelsbote, bringſt du mir den Oelzweig des Friedens, bringſt du mir das Gruͤn, bringſt