Teil eines Werkes 
5. Bdchen (1831)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

90 ein Streben nach einer gewiſſen Courtoiſie bemer⸗ ken, das ganz ergötzlich iſt. Es iſt der Maſſe ſo gegangen, wie dem Einzelnen, der viel Neues ge⸗ ſehn, viel Ungewöhnliches erfahren, und der mit dem Nil admirari die Geſchmeidigkeit der äußern Sitte gewonnen. Sonſt war das Berliner Volk roh und brutal; man durfte z. B. als Fremder, kaum nach einer Straße, oder nach einem Hanſe, oder ſonſt nach etwas fragen, ohne eine grobe, oder verhöhnende Antwort zu erhalten, oder durch fal⸗ ſchen Beſcheid gefoppt zu werden. Der Berliner Straßenjunge, der den kleinſten Anlaß, einen et⸗ was auffallenden Anzug, einen lächerlichen Unfall, der Jemanden geſchah, zu dem abſcheulichſten Fre⸗ vel benutzte, exiſtirt nicht mehr. Denn jene Ci⸗ garrenjungen vor den Thoren, dieden fidelen Ham⸗ burger avec du feus ausbieten, dieſe Galgenſtricke, welche ihr Leben in Spandau, oder Straußberg, oder, wie noch kürzlich einer von ihrer Race, auf dem Schaffot endigen, ſind keineswegs das, was der eigentliche Berliner Straßenjunge war, der nicht Vagabond, ſondern gewöhnlich Lehrburſche bei einem Meiſter, es iſt lächerlich zu ſagen, bei aller Gottloſigkeit und Verderbniß, doch ein gewiſ⸗ ſes Point d'Honneur beſaß, und dem es an gar drolligem Mutterwitz nicht mangelte. Ich. O, lieber Vetter, laß mich dir in aller Geſchwindigkeit ſagen, wie neulich mich ein ſolcher