Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
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In der That kam der Soldat jetzt mit eiligen Schritten zu ihnen heran.

Was ſprecht ihr hier? fragte er rauh. Das iſt kein Gebet und kein Abſchiednehmen.

Doch, Freund, es iſt Gebet, ſagte der Verur⸗ theilte, aber jetzt iſt es zu Ende, und es bleibt mir nur noch übrig, meine Teſtamentsvollſtrecker hier zum letztenmal zu umarmen.

Und er warf ſich dem Erſten ſeiner Freunde in die Arme. Um zwei Uhr flüſterte er, indem er

ihn ſtürmiſch an ſich drückte.

Aus den Kaſematten drang ſo eben ein leiſer, feierlicher Geſang zu ihnen empor. Es waren einige der Gefangenen, welche ihre Qual und ihre Angſt

zu Gott empor trugen auf den feierlichen Melodieen eines Chorals.

Diesmal war es eine wirkliche andagt veicht 3

den Verurtheilten auf ſeine Knie niederdrückte, dies⸗

mal betete er mit inbrünſtiger Seele, aber es war

ein Gebet um Freiheit, nicht mehr für die Seele allein, ſondern auch für den Körper.

Dann ſtand er auf und als er jetzt die Freunde zum letzten Mal umarmte, drückte ihm der Eine raſch und unbemerkt einen kleinen Dolch in die Hand.

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