Teil eines Werkes 
1. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

kurze Täuſchung der Freiheit haben. Laß mich dieſe laue Luft einathmen, dieſen Sonnenuntergang ſehen im Beiſein meiner Freunde, und ohne von deinem Blick und deinem Ohr beläſtigt zu werden.

Der Soldat beobachtete ein mürriſches trotziges Schweigen.

Der Verurtheilte fuhr fort: Sei nicht harther⸗ ziger gegen mich, wie es dein Oberſt, wie es dein General iſt! Dieſer hat mir die letzte Bitte gewährt

und mir geſtattet, mit meinen Freunden hier einen

letzten Spaziergang zu machen. Du weißt, man verſagt einem Sterbenden nicht die letzte Bitte! Aun, ich bitte dich, tritt ein wenig zurück und ge⸗ ſtatte mir, meinen Freunden mein Teſtament zu ſa⸗ gen, das ſie dereinſt, wenn ſie frei ſind, meinen Kin⸗ dern ſollen hinübertragen in die Verbannung. Sei menſchlich, Freund, laß mich allein mit Gott und meinen Prieſtern hier, denn es iſt eine Sche⸗ welche ich ihnen ablegen will.

Ees iſt wider meine Ordre! ſagte der Soldat, ich darf Euch nicht aus den Augen verlieren.

So behalte uns im Auge, nur tritt ſo weit zurück, daß du mein letztes Gebet nicht belauſchen kannſt, ſagte der Verurtheilte, indem er ſich langſam auf ein Knie niederließ.