Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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Vamen nennen, und als er ſich umwandte, ſtand die Baronin Lucinde vor ihm.

Sie hatten ſich ſeit jenem Tage, an welchem der Mordanfall auf Bernthal ſtattgefunden, nicht geſehen. Lucinde hatte ihn jeden Morgen, bebend vor Hoffnung, vor Luſt und Sehnſucht in ihrem Salon erwartet, aber niemals war er gekommen, und dieſe Schmerzen und dieſe Sehnſucht, dieſe Thränen, welche ſie um ihn weinte, dieſes Alles hatte nur dazu gedient, ihn ihr noch theurer zu machen, und die Liebe zu ihm immer tiefer in ihr Herz ein⸗ zuſenken. Aber Lucinde war dennoch eine ſtarke ſtolze Seele geblieben, die Liebe hatte ihr Herz ge⸗ troffen ohne es ſchwach zu machen, und indem ſie ſich dieſem neuen Gefühl hingab, ließ ſie ſich doch in dem edlen Stolz echter Weiblichkeit von demſelben weder demüthigen, noch unterjochen.— Sie würde es ſich ſelber niemals verziehen haben, wenn ſie Bernthal mit einem Wort, mit einem Seufzer ver⸗ rathen hätte, wie viel Thränen und Seußzer ſeine plötzliche Zurückhaltung ſie gekoſtet, ſie würde ſich ſelber verachtet haben, wenn ſie mit einem Worte, einem Blick ihn zurückzurufen geſucht hätte.

6s war daher mit einem heitern Lächeln und einem leichten Scherz, daß ſie Bernthal jetzt entgegen