Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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O, Luiſe, ſagte er dann, iſt's nicht traurig im Leben? Zwei Menſchen, die ſich einſt geliebt, ſtehen ſich hier gegenüber, und ihre Herzen ſind erkaltet, und ihre Lippen ſind ſtumm geworden. Pfui über das Leben, wenn die heiligſten Gefühle ſterben können und uns als wandelnde Leichen umhergehen heißen! Aber genug mit dieſen Empfindſamkeiten! Ich bin gekom⸗ men, um Ihre Feſſeln zu löſen, Luiſe, freiwillig und ohne Zwang ſie zu löſen. Sie ſind frei!

Und indem er ein kleines Käſtchen aus ſeinem Buſen hervorzog und es der Prinzeſſin darreichte, fuhr er fort: Hier ſind Ihre Briefe, Luiſe, alle, ich behielt nicht Einen zurück. Auch finden Sie außer⸗ dem in dieſem Käſtchen den Taufſchein und den Todtenſchein Ihres Kindes.

Es iſt alſo wirklich todt? fragte ſie tief bewegt. Ach, es iſt geſtorben und ſeine Mutter hat ihm nicht die Augen geſchloſſen, es iſt geſtorben, einſam, viel⸗ leicht verlaſſen, hungernd! O, und ich hoffe noch auf Glück, und habe doch ſo viel geſündigt!

Und die Prinzeſſin bedeckte ſich das Geſicht mit den Händen und weinte laut.

Luiſe, ſagte Bernthal nach einer Pauſe, ich muß Sie jetzt verlaſſen, denn Sie wiſſen, meine Stunden