Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

32

Gnade! Gnade! ſtammelte die Prinzeſſin. Seien Sie barmherzig Mutter!

Seien Sie barmherzig mit ſich ſelber, Luiſe! Zwingen Sie Ihr Herz, daß es endlich der Vernunſt Gehör gebe! Sprechen Sie dies eine Wort: ich willige ein, dieſe königliche Hand anzunehmen, ich willige ein, Königin zu werden! Sprechen Sie dies, uud Alles ſoll vergeben, und von Ihrer Vergangen⸗ heit ſoll niemals mehr die Rede ſein! Sprechen Sie!

Eine Pauſe trat ein. Dann ſagte die Prin⸗ zeſſin mit ruhiger, klarer Stimme: hören Sie, Ho⸗ heit, was ich Ihnen jetzt ſagen will! Achten Sie genau auf meine Worte, denn jedes derſelben be⸗ deutet ſo viel, als ob ich einen Eid ausſpräche! Ich habe viel gefehlt, und viel geſündigt; ich habe in Demuth die Hand erkannt, welche mich züchtigte, und ich habe nicht gemurrt, ſondern mein Haupt in Demuth gebeugt unter der Hand des ſtrafenden Gottes! Aber endlich hat ſich Gott meiner Leiden und meines Jammers erbarmt, endlich hat er mir den Erlöſer geſandt, welcher es frei machen ſollte von Sünde und Irrthum, dieſer Erlöſer, es war die Liebe! Eine reine, tugendhafte, eine heilige und un⸗ ſchuldige Liebe, deren Schmerzen und Qualen ich geduldet habe, wie das Fegefeuer, durch welches ich