19
und ohne beſondere Kunſt ihr Gewerbe verrichten. Die Meiſter unſerer Kunſt haben uns aber heute eine be⸗ ſondere Feſtlichkeit aufgeſpart, und werden lebende Bil⸗ der aufführen. Gebet Acht,'s wird ſtill,'s geht los.
Der Portier ſetzte ſeinen Finger an den Mund und ließ ein ſchrillendes Pfeifen ertönen, und es öffneten ſich die Vorhänge der Tempel, der Grotten und Niſchen, und enthüllten die ſüßen Geheimniſſe, die ſie bis dahin verborgen. Ein allgemeines Ach! der Bewunderung durchflog die Reihen der Zuſchauer bei dem Anblick dieſer kunſtvoll gruppirten lebenden Bilder, und Ellinor wünſchte ſich eines Hogarths Pirſel, um dieſe wunderbaren und in ihrer Scheuß⸗ lichkeit lächerlichen Gruppen feſtzuhalten, die ſie hier erſchaute. Alle dieſe Gruppen ſtellten Scenen aus dem Leben der Bettler dar. Hier in jenem Tempel kniete ein Blinder, die todten erloſchenen Augen auf⸗ wärts gerichtet, rührende Milde und Ergebung in ſeinen Zügen, die zitternden Hände gefaltet, wie zum Gebet, und neben ihm ſtand ein Mädchen, als Engel gekleidet, und als ſolcher kenntlich an den Gänſeflügeln, die mit Stricken um ihre Schultern gebunden waren, die eckige Geſtalt mit einem geflick⸗ ten und durchlöcherten Seidenkleide umhüllt, Arme, Nacken und Schultern entblößt, das Geſicht mit Rothſtein zierlich geſchminkt, und dem knieenden


