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Hände empor zu Gott und dankt ihm, daß ſie endlich ſterben wird.
Sie betet noch, als ſie ſich ihr nahen, als ſie mit roher Henkersluſt ſie aufheben, als ſie das Gewand ihr entreißen, und ihre edle, nackte Geſtalt verſchlingen mit ihren Blicken. Ihre Seele iſt bei Gott, ſie betet immer noch. Aber als man die Schnur, an welchem die Pa⸗ piere Paulo's hängen, von ihrem Buſen reißen will, da zuckt ſie zuſammen, da flammen ihre Augen, und in ihren krampfhaſt geſchloſſenen Händen verbirgt ſie die Papiere.
Ich hab's geſchworen, ſie mit meinem Leben zu ver⸗ theidigen, ruft ſie laut, Paulo, Paulo, ich werde Wort halten!
Und mit Löwenkühnheit vertheidigt ſie ſich gegen ihre enker. 5 Laßt ihr dieſe Papiere! beſiehlt Joſeph Ribas, wel⸗ er auf Befehl der Kaiſerin zugegen war. Mag ſie ſie ehälten, ſie werden ſogleich unſer ſein!
h Paulo, ich habe Dir mein Wort gehalten, Natalie. Dann flehte ſie, daß man ihr erlaube, eſe Papiere zu leſen, und Joſeph Ribas gewährt
Und mit zitternden Händen öffnet ſie beim Schein der hingehaltenen Fackeln die Siegel und lieſt. Ein trauriges und ſchmerzvolles Lächeln übefliegt ihre Züge, und ihre e ſinken kraftlos herab.


