Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Er mußte, ſagt Maſſen,Bobrinsky auf ſeinen Reiſen begleiten,

Es war eine finſtere, ſchaurig kalte Nacht; Peters⸗ burg ſchlief; ſtill und öde waren die Straßen. Dort drüben aber, dort auf dieſem Platze, auf, welchem einſt Eliſabeth die ſchöne Lapuſchkin martern ließ, da glänzen Fackeln, da bewegen ſich dunkle Geſtalten hin und wie⸗ der, da iſt ein reges, geheimnißvoll waltendes Leben. Was iſt es, das ſich dort begiebt?

Keine Zuſchauer ſind heute um die Barriere ver⸗ ſammelt Katharina hat befohlen, daß zu dieſer Stunde ganz Petersburg ſchlafe, und alſo ſchläft es! Nie⸗ mand iſt auf dem Platze, Niemand als die kalten, ge⸗ fühlloſen Henkersknechte, Niemand als das bleiche, kraft⸗ los zuſammengeſunkene Weib, das da im leichten, weißen Gewande in der Mitte ihrer Henker kniet. Sie lebt noch, es iſt wahr, aber ihre Seele, die iſt längſt geſtor⸗ ben, ihr Herz, das iſt längſt gebrochen. Die Ketten und die Martern ihrer Gefangenſchaft, die haben's nicht gethan! Alexis Orlow war es, der Nataliens Herz und Seele gemordet hat, um ihn hat ſie ſo lange geweint, bis ihre Thränen verſiegt ſind, um ihn hat ſie ſo lange geklagt, bis ihre Stimme erloſchen iſt

Fetzt weint ſie nicht mehr und klagt nicht mehr, ſie

blickt auf ihre Henker hin und lächelt, und hebt die

und impfte ihm alle die entſetzlichen Laſter ein, die er ſelbſt beſaß. Später ward er, wie wir bereits weiter oben geſagt, Vice⸗Admiral und der Günſtling Potemkin's, des vierten Geliebten Katharina's.