Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Auf dem Admiralsſchiffe iſt jetzt Alles ſtill. Die Prinzeſſin iſt nicht mehr auf dem Verdeck. Sie iſt ver⸗ ſchwunden!

Die Leute wollten geſehen haben, daß man mit Ketten ihre Hände und Arme gefeſſelt, und ſie dann weggeſchleppt! Wohin?

Alles war ſtill! Die Boote kehrten zum Ufer zu⸗ rück, Graf Orlow reichte der ſchönen Madame Dyk die Hand, um ihr beim Ausſteigen behülflich zu ſein.

Morgen, Madame, flüſterte er, werde ich Ihnen den Dank meiner Kaiſerin bringen. Sie haben uns trefflich genützt!

Das Volk empfing den Landenden mit Heulen und Schreien und lauten Verwünſchungen. Aber Graf Orlow warf mit einem verächtlichen Lächeln Geld unter das Volk, und es verſtummte.

Ruhig und ſtill lag die ruſſiſche Flotte im Ha⸗ fen. Aber auf dem Admiralsſchiff waren die Kano⸗ nenluken geöffnet, und die Feuerſchlünde gähnten dro⸗ hend hervor. Keine Gondel durfte ſich dem Schiffe na⸗ 1 hen, einige aber, von Neugierde getrieben, hatten es den⸗

noch gewagt, und ſie meinten, an dem Fenſter der Kajüte

die bleiche Prinzeſſin geſehen zu haben, mit gerungenen Händen, die Arme mit Ketten belaſtet. Auch verſicherten Andere, während der Stille der Nacht vom Admiralsſchiff

herüber lautes Gewimmer vernommen zu haben.

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