Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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Winde, der Wolkenſchleier zerriß, und hell und erquicklich leuchtete die Sonne hernieder über das Weltall.

Maria erhob ſich aus ihrem Lehnſeſſel, kräftig und hoch aufgerichtet ſtand ſie da, mit leuchtenden Augen und hochwallendem Buſen, verklärt von der Sonne, die ein zartes Roth auf ihre todes⸗ bleiche Wange hauchte, ſie ſchaute und ſchaute auf die Welt, wie ſie ſo ſchön war, und mit einem ſeligen Lächeln ſagte ſie:Gott, mein Gott!

Es lag aber in dieſem Rufe das Gebet ihres ganzen Lebens, ihrer ganzen Seele.

Leiſe und langſam ſank ſie zurück. Ihr Athem ſtockte, dann hob er ſich mächtiger und raſcher, immer raſcher, ein krampfhafter Huſten das Blut floß ſtromweiſe aus ihrem Munde ſie lächelte, ſie hörte noch das Rauſchen des Waldes, ſie lächelte dann war ſie geſtor⸗

Unter den Blumen des Gartens, an der Stelle, wo ſie ihre Seele verhauchte, ru e der kühlenden Erde Maria's Herz. Der murmelnde Bach, der rauſchende Wald ſingen ihr ein Schlum⸗ merlied, und wenn im Frühling der Apfelbaum ſeinen Blüthenregen hernieder weht auf das Grab zu ſeinen Füßen, ſagt Margaretha b gläu⸗ bigem Herzen zu Robert:ſieh, ihr Herz iſt in Aſche zerfallen, und ihr Leib iſt Staub. Ihr Leben war wie dieſe Blüthe, die auf ihrer Aſche