Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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gebetet zu dem großen, unſichtbaren Geiſte mit gerungenen Händen und todesmattem Herzen, ich habe gebetet in Jammer und Pein, in wilder Verzweiflung und Troſtloſigkeit! Aber Gott war nicht dort, wo ich betete, und mein Flehen er⸗ reichte ihn nicht! Hier aber, fuhr ſie wie in heiliger Verzückung fort und breitete beide Arme aus wie zum Umfangen,hier iſt Gott! Ueberwältigt ſank ſie zurück, ihre Hände fal⸗ teten ſich, wie von ſelbſt, ihre ſtrahlenden Augen richteten ſich aufwärts, ihre Lippen bewegten ſich, wie in leiſem Flüſtern. Da zogen leiſe und be⸗ bend melodiſche Klänge durch die Luft, immer höher anſchwellend, immer mächtiger erklangen Töne ei⸗ nes Waldhorns. Es war Robert's alter Diener, der auf einen Wink von dieſem an den Rand des Waldes getreten, und dort hinter einem Baume verborgen die einfache Weiſe eines Chorals blies. Maria's trunkene Blicke irrten umher, nicht um zu ſuchen, von wannen dieſe Töne kamen, ſie verwunderte ſich nicht einmal, daß ſie erklangen, ſie mußte ſchauen, ſchauen die Natur und Gott! Die Waldhornklänge tönten ihr wie Himmels⸗ grüße, ſchallten mit bewältigender Macht in ihrem Herzen wieder und löſeten Alles, was noch von erſtarrtem Schmerz in ihrer Bruſt, zu wohlthuen⸗ der Milde und Weichheit. Dazu rauſchte der Wald ſo majeſtätiſch und geheimnißvoll, ſangen die Vö⸗ gel ſo lieblich und fröhlich, blüheten und dufteten