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„Und kannſt Du,“ fragte die Tante ſanft, das Heil in Gott nicht überall finden, in welcher Religion es immer ſei? Der Herr und Regierer der Welt hat nicht geſagt, nur das Gebet der Chriſten will ich erhören, ſondern er hat geſpro⸗ chen: kommt zu mir, Alle, Ihr Beladenen und Traurigen, ich will Euch erretten!“
„Er will uns erretten durch Chriſto,“ ant⸗
wortete Rebekka,„durch ihn will Gott uns zu
ſich nehmen.“
„Haſt Du aber vergeſſen, was Du Deinem Vater gelobteſt?“ fragte die Baronin.
„Nein, meine Tante. Mein Vater aber, weiſe, wie er immer war, hat nicht unbedingt mir den Uebertritt verboten, ſondern ich habe ihm nur ge⸗ loben müſſen, nicht aus einer weltlichen Liebe zu
einer andern Religion mich zu bekennen. Du
weißt, ſetzte ſie leiſe hinzu, daß dieſe mich nicht beſtimmen kann.“
„Du biſt alſo feſt entſchloſſen?“
„Ich bin es!“ antwortete Rebekka.
„Nun ſo ſei es, mein Kind,“ ſagte die Ba⸗ ronin feierlich,„folge Deinem Gefühle, und möge es Dich das Rechte finden laſſen. Wie es aber auch kommen mag, Chriſtin oder Jüdin, Kind meines Bruders, komm an mein Herz, ſei meine Tochter!“
Lange hielten ſie ſich umſchlungen, dann rich tete Rebelka ſich ſanft aus der Tante Armen


