Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

O, ſeufzte Rebekka,warum hat der Himmel ſolche Schmach über mich verhängt! Sprich nicht ſo, Tochter des älteſten Volkes der Erde, unterbrach ſie Abigail,ſegne vielmehr Dein Geſchick, daß es Dich nicht unter dieſem ent⸗ arteten Geſchlechte ließ geboren werden. Glaube mir, die Chriſten ſind Heuchler und Betrüger, ſie ſtoßen die Armen von der Schwelle ihrer Thüre, und predigen doch von Liebe, ſie freuen ſich des Unglücks ihres Bruders, und nennen ihn doch ihren Nüchſten, ſie falten fromm die Hände, und heucheln Tugend, und wenn ſie die Pforte ihres Hauſes hinter ſich geſchloſſen, gehen ſie ihren Lüſten und Sünden nach.

Halt ein, rief Rebekka,halt ein, Abigail, Robert iſt ein Chriſt!

Und er wird ſein, wie alle ſeines Stammes, ſagte das hartnäckige Weib,und er wird Dich von ſich ſtoßen, wenn er erfährt, daß Du eine Jüdin biſt.

Er wird es nicht erfahren, rief Rebekka ha⸗ ſtig, und die Arme ausbreitend, als wolle ſie den Geliebten umfangen, fuhr ſie fort:Robert, mein Geliebter, ich kann nur durch eine Lüge Dich ge⸗ winnen. So ſei es denn! Mein mußt Du ſein, um jeden Preis!

Und nun Abigail hilf mir dieſen unnöthigen Zierrath von mir legen, gieb mir das einfache Kleid und den Mantel, es iſt Zeit, ich will hin zu ihm!