Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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ſchenke des Geiſtes und Körpers, welche du mir ver⸗ liehen, gemißbraucht habe. Indem ich ſie gegen dich wandte, habe ich ſie gegen mich ſelber gewandt, ſo daß ich, ein Ungeheuer von Undankbarkeit, keine Hoffnung hatte, zu dir zu gelangen, wenn du nicht durch deine unendliche Gnade mich zu dir bekehret und mir das aufrichtige Verlangen eingeflößt hätteſt, den Ueberreſt meines Lebens dazu zu verwenden, daß ich an meinem ewigen Heil arbeitete.

Alſo, mein Herr und Gott, danke ich dir, daß du mir mein Fürſtenthum und Alles, was die Erde Güter nennt, genommen haſt, daß du mich heimgeſucht haſt durch alle Arten von Trübſal, Wider⸗ wärtigkeiten, Verfolgungen, Verleugnungen und Ver⸗ leumdungen von den Großen dieſer Erde. Und beſon⸗ ders ſage ich dir Dank dafür, daß du mir eine ſo ſtarke Anhänglichkeit an die Pflichten meines Daſeins eingeflößt haſt, daß ich willig alle Süßigkeiten eines friedlichen und ruhigen Lebens hingegeben habe, um hieher zu gehen in dieſes Land, das meinem Geiſt und meinem natürlichen Stolz ſo zuwider iſt. Denn gerade hier iſt es, daß du mir Gelegenheit gegeben haſt, mich zu demüthigen und mich loszureißen von den eitlen Vorurtheilen des menſchlichen Geiſtes, von den Rath⸗ ſchlägen der Klugheit, von dem Vertrauen in die