727
Kanonen, Sie führen ihn durch Ihr bloßes Daſein weiter gegen alle Ihre Feinde, und ganz Europa zittert vor Ihnen. Und dann, wer kann ermeſſen, was im Schooß der Zeiten begraben liegt? Wie vieles kann ſich nicht ändern durch den Tod eines Fürſten, den Wechſel eines Miniſte⸗ riums, durch Leidenſchaften, Zwiſtigkeiten oder Freundſchaften. Sire, wer lebt, hat ein Anrecht auf die Zukunft, und er darf es nicht leicht⸗ ſinnig von ſich ſchleudern.
Sie haben in manchem Betracht wohl Recht, ſagte Napoleon ſeuſzend. Aber meine Seele ſchaudert bei dem Gedanken an die ein⸗ ſame unwirthbare Inſel im Weltmeer. Was werden wir nur dort be⸗ ginnen, Graf?
Sire, wir werden von der Vergangenheit leben, und ſie iſt reich genug, um uns befriedigen zu können. Freuen wir uns nicht an dem Leben Cäſars, Alexanders? Sie werden das Buch Ihrer Vergangenheit aufſchlagen, Sie werden ſich ſelbſt leſen!
Ja, ich will meine Memoiren ſchreiben, rief Napoleon lebhaft, man muß arbeiten! Arbeit iſt die Senſe der Zeit. Man muß ſeine Beſtimmung erfüllen, das iſt immer meine große Lehre geweſen. Nun wohl, ſo will ich auch die meine erfüllen, und will leben, ſo lange das Schickſal es verlangt. Sehen Sie, dort in dem blauen Nebel ver⸗ ſchwinden die Küſten von Frankreich! In dieſen blauen Nebeln ver⸗ ſchwindet auch meine Vergangenheit. Meine Zukunft heißt: S lena! Gefangenſchaft!“ Sei es darum. Lebe wohl, Frankreich, Land der Tapfern! Lebe wohl, Europa!


