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Admiral Keith erwiederte nichts. Er verneigte ſich kalt und ſtumm, und verließ mit ſeinem Begleiter die Cajüte.
Napoleon war allein! Allein mit ſeinem Zorn, ſeinem Schmerz, allein mit ſeiner Verzweiflung. Er rang mit ihr viele Stunden lang, ſeine Diener hörten ihn mit haſtigen Schritten auf⸗ und abgehen, und laut und ſtürmiſch mit ſich ſelber ſprechen. Aber nach und nach ward er ſtiller, und als er nach langen, qualvollen Stunden wieder aus ſeiner Cajüte hervor, und in den Kreis ſeiner Diener trat, war ſein Geſicht wieder ruhig und unbeweglich, nur ſeine Lippeu zuckten zuweilen, und um ſeine Augen lag ein tiefer bläulicher Schatten.
Napoleon hatte ſein Geſchick angenommen und keine Klage kam mehr über ſeine Lippen. Er wählte unter ſeinem Gefolge ſich Diejenigen, welche ihn begleiten ſollten, und die Generäle Bertrand, Gourgaud und Montholon weinten Thränen ſtolzer Freude, als die Wahl des Kaiſers ſie traf, und der Graf Las Caſes war glücklich, als man auch ihm und ſeinem Sohn noch geſtattete, Napoleon begleiten zu dürfen.
Mit Thränen nahm ſein übriges Gefolge von ihm Abſchied; Na⸗ poleon allein weinte nicht. Ruhig, ſtolz und gelaſſen verließ er den Bellerophon, der zu klein und ſchwach befunden, um die Reiſe nach Helena machen zu können, und begab ſich an Bord des Schiffes Nor⸗ thumberland, das ihn nach ſeinem Exil führen ſollte.
Am achten Auguſt lichtete der Northumberland die Anker, und ſegelte ab, ſeinem fernen Ziel entgegen.
Napoleon ſtand auf dem Verdeck, und blickte ſinnend hinunter in das Meer, das kräuſelnd das Schiff umrauſchte. Neben ihm ſtand ver Graf Las Caſes, die Thränen zurückdrängend, welche der Abſchied von ſeiner geliebten Gattin in ſeinen Augen zurückgelaſſen.
Es iſt alſo unwiderruflich, ſagte der Kaiſer, meine Vergangenheit iſt hinabgeſunken in das Meer und da ruht ſie wie die Perlen und Korallen. Aber kein Taucher wird ſie wieder hervorholen können, ſie iſt ver⸗ loren und begraben für immer. Sie bleibt hier zurück im Meer, vas Frankreichs Küſten beſpült, und ich gehe als ein neuer Menſch, als ein dem Schmerz Wiedergeborner, einer neuen Welt entgegen! Ich gehe nach Helena.— Aber iſt es denn ſo gewiß, daß ich dahin gehe? rief


