Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
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So, meinen Sie? fragte Blücher ſtrenge. Na, wie ſo iſt es denn gedemüthigt? Was haben wir ihm denn gethan?

Vor allen Dingen, Durchlaucht, haben wir es beſiegt, und das iſt für ein kriegeriſches, ruhmſüchtiges Volk ſchon immer ein herbes Un⸗ glück. Dann haben wir ihm alle Beute früherer Siege wieder abge⸗

nommen, haben ſeinen Kaiſer, den die Armee wenigſtens noch immer liebte, abgeſetzt und verjagt, und haben den König Ludwig den Achtzehnten, den weder die Armee, noch das Volk liebte, den Niemand wollte, wieder auf ſeinen legitimen Thron eingeſetzt.

Daran iſt mir gar nichts gelegen, rief Blücher unwirſch. Ich wollte vielmehr, der König wäre noch nicht wieder hier, denn ich hatte noch vielerlei Forderungen an die Stadt Paris und ich wollt' ſie noch gehörig abſtrafen. Weiß aber ſchon, daß der König ſich nun in's Mittel legen, und bei unſerm König und dem Kaiſer ſo lange wimmern und jammern wird, bis ſie ihm in Allem nachgeben und ich gar nicht dazu komme, die Stadt Paris gehörig abzuſtrafen.

Nun, Feldmarſchall, ſagte Gneiſenau lächelnd, mich dünkt, Sie haben aber die Stadt ſchon gehörig abgeſtraft! Sie haben erſtens befohlen, daß Paris unſere Armee als Einquartierung aufnehme und bewirthe.

Na, das war ich meinen Preußen ſchuldig, rief Blücher. Die Franzoſen haben Jahre lang in Berlin recht angenehm logirt, es ſoll alſo kein Preuße, der mir hierher gefolgt iſt, zurückkehren, ohne ſagen zu können, daß die Pariſer ihn auch gut bewirthet haben.*)

Dann ferner haben Sie der Stadt Paris eine Kriegsſteuer von einhundert Millionen Francs auferlegt.

Und das iſt eigentlich noch viel zu wenig, denn es iſt nur blos 'ne Abſchlagszahlung auf die vielen Millionen Thaler, die Frankreich von Preußen ſich zugeeignet hat und die Preußen durch Frankreich verloren hat. Blos'ne kleine Strafe für all' den Kummer, und die

Demüthigung und den Jammer, den die Franzoſen über unſer unglück⸗ 6

*) Blüchers eigene Worte. Siehe: Varnhagen: Biographiſche Denkmale. III. S. 472.