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Mann und verſteht das Steuerruder des Staates mit geſchickter Hand durch alle Stürme hindurch zu lenken.
Und dieſer Ruf wiederholte ſich auf den verſchiedenſten Punkten in der wogenden Volksmenge; überall ſah man einzelne Männer ſich mit breiten Schultern und ſchlauem Lächeln durch das Gedränge Bahn machen, und den ſchweigenden, ſtaunenden Maſſen flüſterten ſie zu: wenn der Kaiſer kommt, ſo ruft: es lebe Napoleon der Zweite! Es lebe der Regentſchaftsrath!
Doch auch andere Zuflüſterungen ertönten hier und da in der Menge, wehten wie leiſes Windesſäuſeln über den Häuptern dieſer Tauſende dahin.
Wenn der Kaiſer kommt, ſagten ſie, ſo ruft: es lebe unſer König Ludwig]! Es leben die Bourbonen!
Aber das Volk, welches zu den Stimmen, die ihm den Regent⸗ ſchaftsrath und den Präſidenten Fouché empfohlen, nur geſchwiegen, das Volk antwortete auf dieſe bourboniſchen Zuflüſterungen mit einem verächtlichen Lächeln und einem abwehrenden Kopfſchütteln, und wie Wogenbrauſen rauſchte es über den weiten Platz dahin: wir wollen teine Bourbonen, keinen König Ludwig den Achtzehnten mehr!
So wählt Napoleon zu Eurem Oberhaupt, rauſchte eine andere
Volkswelle. Wählt Napoleon. Er hat das Maifeld berufen, um feier⸗
lich vor Gott und dem Volk die Krone niederzulegen, und dem ſouve⸗ rainen Volk anheim zu geben, ob es ihn oder einen Würdigern zu ſeinem Oberhaupt, zu ſeinem Kaiſer erwählen wolle.
Ja, Napoleon will beweiſen, daß er ein Mann der Ehre und Gerechtigkeit iſt, riefen Andere, er will ſeine Krone zurückgeben an das Volk. Möge das Volk ſich ſeinen Herrſcher wählen, denn das Volk allein hat das Recht dazu.
Aber auch zu dieſen Stimmen ſchwieg das Volk und ſchaute nur mit ſtaunenden Blicken hin auf den Platz und die Feſtesveranſtaltungen, welche man auf demſelben gemacht.
In der Mitte des Platzes erhob ſich eine hohe Pyramide, auf deren oberſter Plattform man den goldfunkelnden, von einem Baldachin be⸗ deckten Thronſeſſel des Kaiſers gewahrte. Dieſe Plattform, die in


