Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 4. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

560

Denn dieſe vielen Tauſende, die da rings um den Platz von der Frühe des Morgens an die Raſenſtufen, welche die Republikaner von 1790 zu Sitzen für das Volk aufgeworfen hatten, einnahmen, dieſe vielen Tauſende waren gekommen, um auf dem vom Kaiſer berufenen Maifelde des erſten Juni den Schleier ſich lüften zu ſehen, welcher ihnen die Zukunft Frankreichs umhüllte; ſie waren gekommen, nicht im Freudenjubel über vollbrachte Thaten, ſondern in neugieriger Un⸗ geduld, endlich eine Thatſache zu erfahren, endlich zu wiſſen, was der Kaiſer beabſichtige, warum er das Maifeld berufen, was er dem fran⸗ zöſiſchen Volk zu ſagen habe?

Und Jeder wie geſagt, beantwortete ſich dieſe Frage nach ſeinen eigenen Wünſchen und Geſinnungen.

Dort drüben, unweit der Militairſchule ſtand auf den Raſenſtufen eine Schaar ernſter und düſterer Geſtalten, gebräunte Geſichter, von ergrauetem Haar umwallt, die gerunzelte Stirn gezeichnet von dem Alter und den Erfahrungen, welche über ihren verwitterten Häuptern dahin gezogen.

Das waren die Republikaner, welche vor fünf und zwanzig Jahren als begeiſterte Jünglinge das Märzfeld hatten begründen helfen, welche das Kaiſerreich in der Stille verwünſcht, und den heimkehrenden Kaiſer nur deshalb freudig willkommen geheißen hatten, weil ſie von ihm er⸗ warteten, daß er jetzt nur ein Werkzeug in ihren Händen ſei, daß Er, durch den der Thron der Lilien zum zweiten Male geſtürzt worden, jetzt nur da her komme, als der Herold der Republik, welche zwölf Jahr auf dem Märzfelde geſchlafen, und die Napoleon jetzt wieder mit ſeiner Imperatorſtimme zur Auferſtehung erwecken wolle.

Er wird dies Maifeld nur berufen haben, um dem Volk zu ver⸗ künden, daß er ſeine Krone niederlegt zu Gunſten der Republik, ſagten einige dieſer Männer untereinander.

Aber wenn er das thut, werden wir uns wohl hüten, ihn wieder zum erſten Conſul zu erwählen, murmelten Andere. Wir haben ge⸗ ſehen, was aus der Republik unter ſeinen Händen geworden iſt.

Wir werden ihn ſchwören laſſen, niemals wieder ein öffentliches Amt bekleiden zu wollen, flüſterten Andere. Gott hat ihn geſandt, um