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Mein Gott, in dem nächſten Ort ſchon kann man uns anhalten, mich erkennen, oder mich mit Gewalt zur Rückkehr zwingen. Oh, welche Schmach, welche Demüthigung dann, als eine flüchtige Verbrecherin zurückkehren zu müſſen!
Der Himmel wird nicht wollen, daß Ew. Majeſtät von ſolchem Unglück bedroht werde, ſagte Montbrun feierlich. Alle Vorkehrungen ſind getroffen, Alles iſt wohl durchdacht und wohl überlegt. Ueberall auf dem ganzen Wege liegen Relais bereit, unſere Päſſe ſind in voll⸗ kommener Ordnung, und es hängt nur von Ew. Majeſtät ab, jedes Erkennen unmöglich zu machen und ſich vor jeder Entdeckung zu ſichern.
Wie? Das hängt von mir ab? fragte Marie Louiſe.
Ja, von Ew. Majeſtät. Der Paß, den ich bei mir führe, lautet auf zwei Perſonen, auf zwei Männer. Ew. Majeſtät müſſen die Gnade haben, eine Verkleidung anzulegen, ſich in Männerkleidung zu hüllen.
Ach, als ob es ſo leicht ſein würde, die zu erhalten, rief Marie Louiſe.
Majeſtät, es iſt Alles vorbereitet, hier in dem Kaſten des Wagens ſteht ein Koffer, der Alles enthält, was zur Toilette Ew. Majeſtät er⸗ forderlich iſt, und bemerken Sie nur, wir fahren jetzt in einen kleinen Seitenweg ein. Ew. Majeſtät erinnern ſich des kleinen Pavillons im Walde von⸗Schönbrunn? Er iſt jetzt einſam und unbemerkt, und daher ganz geeignet, Ew. Majeſtät als Toilettenzimmer zu dienen.
Oh, mein Gott, murmelte Marie Louiſe in ſich hinein, es iſt alſo kein Entrinnen mehr, ich muß—
Der Wagen hielt vor dem einſamen Häuschen an, der Graf öffnete den Schlag und ſprang hinaus, um der Kaiſerin beim Ausſteigen be⸗ hülflich zu ſein.
Seufzend und zitternd verließ Marie Louiſe den Wagen und trat in das Haus ein. Niemand kam ihr entgegen, Niemand hieß ſie will⸗ kommen, aber das Zimmer, welches der Graf jetzt öffnete, war er⸗ leuchtet und wohnlich eingerichtet, als hätten unſichtbare Geiſter, die Ankunft der Prinzeſſin vorherſchauend, Alles zu ihrem Empfange be⸗ reitet. In der Mitte des kleinen runden Gemachs befand ſich ein


