536
Guten Abend, mein kleiner Herzog, ſagte er heiter. Haſt durchaus eine Reiſe machen wollen, kleiner Franz? Und noch dazu zur Nachtzeit? Nun ſchau, haſt jetzt Deinen Spaß gehabt und biſt gereiſt von Schön⸗ brunn nach Wien. Und hier in Wien ſollſt Du halt bleiben, mein Kind, hier in der Burg bei mir, bei Deinem Großvater wohnen. Da wird's Dir ſchon beſſer gefallen, als da draußen in Schönbrunn, nicht wahr, mein kleiner Franz?
Der Knabe ſchaute mit traurigen, thränenſchweren Blicken zu ihm empor und ſchüttelte leiſe ſein Haupt.
Wir wollen Dich hier Alle recht lieb haben, fuhr der Kaiſer gut⸗ müthig fort, aber Du mußt uns dafür auch halt wieder lieb haben. Beſonders mußt Du recht freundlich, artig und gehorſam ſein gegen Deine neue Gouvernante. Sieh da, mein kleiner Franz, dieſe Dame hier, die Frau Generalin von Mitrowska, das iſt Deine neue Gouver⸗ nante, und die wird von jetzt an immer bei Dir bleiben und wird Dich unterrichten und für Dich ſorgen. Heiß die Frau Generalin willkommen, kleiner Franz, gieb ihr die Hand und ſag' ihr, daß Du ihr immer recht gehorſam ſein willſt.
Der Prinz regte ſich nicht— er ſtarrte zu dem Kaiſer empor und zwei einzelne, glänzende Thränen rollten langſam über ſeine Wangen nieder.
M. Die Rache.
Feuer! Feuer! Das war der Ruf geweſen, der auf einmal die Bewohner des Schloſſes von Schönbrunn aus dem erſten Schlummer erweckt hatte. Feuer in den Gemächern der Kaiſerin.
In dem Schlafzimmer der Kammerfrauen war es ausgebrochen; die beiden Frauen waren von dem hellen Lichtſchein erwacht, ſie hatten
———


