524
Prinz, mit ſeinen langen Locken die Thränen aus ſeinen Augen fort⸗ trocknend.
Morgen Nacht entführe ich Sie von hier, mein Prinz.
Morgen ſchon! flüſterte der Prinz und ein Lächeln verklärte ſein Antlitz.
Sie müſſen nur heute und morgen recht artig, ſanft und vergnügt ſein. Sie müſſen lachen, wenn man Sie Franz nennt, und niemals müſſen Sie von Ihrem Vater ſprechen.
Ich werde es nicht thun, ſagte der Knabe, ich werde nur an ihn denken! Was habe ich weiter zu thun?
Weiter nichts, als morgen Nacht nicht erſchrecken, was auch ge⸗ ſchehen möge, und wenn ſelbſt Feuer in dem Schloß entſtände, ſon⸗ dern ruhig und ohne zu ſchreien den Männern folgen, welche kommen werden, Sie zu retten und von hier fortzuführen, keinen Laut von ſich zu geben, ſondern Alles das zu thun, was man von Ihnen er⸗ bitten wird.
Sie werden alſo nicht ſelbſt kommen, mich von hier fortzuholen?
Nein, Sire, aber ich werde Ihnen einen treuen Freund ſenden, und der wird Sie zuerſt zu einer Dame führen, welche Sie ſehr liebt, und bei der Sie einen Tag verborgen bleiben. Am andern Abend komme ich dann, Sie abzuholen, und mit Ihnen nach Frankreich ab⸗ zureiſen.
Nach Frankreich! Zu meinem Papa? flüſterte der Knabe, in die Hände klatſchend. Und meine Mama?
Wir werden an der franzöſiſchen Grenze wieder mit ihr zuſammen⸗ treffen, und mit der Kaiſerin werden Sie in Paris anlangen! Aber jetzt, Sire, bitte ich Sie, wollen Sie mir geſtatten, einige Worte mit der Frau Gräfin im Geheimen zu ſprechen.
Oh, ich werde gar nichts hören, ich werde mit meinen Soldaten ſpielen, und meine Regimenter marſchiren laſſen, rief der Prinz, von dannen hüpfend.
Graf Montbrun trat mit der Gräfin Montesquion in die Fen⸗ ſterniſche.


