Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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an Antibes, das ihm ſeine Thore geſchloſſen hatte, den Weg nach Gre⸗ noble dahin. Die Straße war verödet, der Regen goß in Strömen nieder, tiefe Einſamkeit umgab den Kaiſer und ſeine kleine Armee. So zogen ſie dahin, fünf Tage lang, ohne Menſchen auf ihrem Wege zu finden, ohne irgend Soldaten zu begegnen. Aber jetzt, unfern von Grenoble bei dem Dorf La Fréte, kommt ihnen ein Detaſchement Soldaten entgegen; ſie machen Halt, ihre Blicke richten ſich drohend auf den anmarſchirenden Feind. Der Hauptmann tritt vor die Front ſeiner Soldaten und commandirt: Anlegen!— Die Soldaten, gehor⸗ ſam dem Befehl ihres Obern, heben die Gewehre,— da tritt Napo⸗ leon vor, Er ganz allein, mit dem kühnen Feldherrnauge ſchaut er zu ſeinen Soldaten hin.„Meine Freunde,“ ſagt er,„erkennt Ihr mich nicht mehr? Ich bin Euer Kaiſer. Wenn in Euren Reihen ſich ein Soldat befindet, der ſeinen General tödten will, ſo mag er es thun! Hier bin ich!“— Die Soldaten, bezaubert von dem Blick, der Stimme ihres Feldherrn, die Soldaten ſetzten ihre Gewehre ab, und riefen, während Thränen der Wonne ihren Augen entſtrömten:„Es lebe der Kaiſer!“ Und Napoleon grüßte ſie mit einem freundlichen Lächeln, und

commandirte mit lauter Stimme:„Rechts um!“— Und rechts um ſchwenkte das Bataillon, und ſtellte ſich als Avantgarde vor den Kaiſer hin.

Oh, welch' ein Glück! murmelte Marie Louiſe hochaufathmend, und in ihrer eigenen Aufregung ſah ſie nicht, daß dicht neben ihr, von dem Rücken des Fauteuils verſteckt, der kleine König von Rom ſtand, das Köpfchen vorwärts geneigt, das roſige Antlitz ſtrahlend von Entzücken, und die großen, blauen Augen, denen helle Thränen ent⸗ ſtürzten, mit dem Ausdruck glänzender Freude auf den Erzähler ge⸗ richtet. Sie ſah auch nicht auf die Gräfin Montesquiou, die auf der andern Seite ihres Fauteuils ſtand, die Hände gefalten, bleich vor Erregung, die von Thränen umdunkelten Augen gen Himmel erhoben, mit bebenden Lippen ein Gebet des Dankes zu Gott emporflüſternd. Marie Louiſe ſah, wußte, dachte nichts, ihre ganze Seele lag in den Blicken, welche ſie auf den Grafen heftete, in dem Ton, mit welchem ſie jetzt flüſterte: Weiter! Oh, erzählen Sie weiter!

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