Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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Graf Montbrun nahm einen Stuhl und ſetzte ſich dem Herzog gegenüber.

Sie wiſſen wohl, Herr Herzog, ſagte er, daß ich Ihnen nichts zu verſchweigen beabſichtige. Ich bin freilich hier in Wien, gleich Ihnen, in einer Verkleidung, und man hält mich für einen unſchädlichen Aven⸗ turier, für einen heruntergekommenen Marquis, der, Dank ſeinem alt⸗ adligen Namen, von der Gnade der Bourbonen die Wiederherſtellung ſeines Reichthums erhofft, und bis dahin ſich in den Antichambres unſerer Geſandten, und den Spielſälen der hier aus allen Ländern der Welt zuſammengeſtrömten Spieler von Fach umhertreibt. Aber Ihnen gegenüber, Herr Herzog, verberge ich mich nicht. Sie haben mir vor einigen Tagen durch eine vertraute Mittelsperſon ein Memorial ge⸗ ſandt, in welchem Sie die Güte hatten, mir ausführlich und genau die Zuſtände unſeres gemeinſamen Vaterlandes, das wir Beide gleich ſehr lieben, auseinander zu ſetzen. Ich habe dies Memorial mehr als Ein⸗ mal mit der größten Aufmerkſamkeit geleſen, und es hat mich über⸗ zeugt, daß jetzt die Stunde gekommen iſt, welche wir ſo lange vorhe⸗ reitet und erſehnt haben, die Stunde, in welcher der Kaiſer nach Frank⸗ reich, das ihm ſeine Arme entgegenbreitet, zurückkehren muß.

Sie haben Recht, rief Fouché lebhaft, der Kaiſer muß zurückkehren. Frankreich bedarf Seiner, und ihm ſelber droht Gefahr, wenn er länger auf Elba bleibt.

Sie ſind alſo der Meinung, daß die Herren vom Congreß endlich doch ihre Worte und Drohungen in Thaten umſetzen, daß ſie endlich den Antrag des Lord Caſtlereagh und des Grafen Pezzo di Borgo an⸗ nehmen werden? Daß ſie es wagen werden, den Kaiſer auf Elba zu verhaften, und ihn heimlich von dort zu entführen?

Ja, ſie werden es wagen, ſagte Fouché. Meine hieſigen Kund⸗ ſchafter und Freunde haben mir die beſtimmteſten und unzweifelhafteſten Nachrichten gegeben: der Congreß hat Furcht vor dem gefeſſelten Löwen, und er will daher ſeinen Kerker noch weiter ab in das Welt⸗ meer entrücken. Es iſt daher nothwendig, den Herren Diplomaten zu⸗ vorzukommen, und den Löwen zu befreien.