Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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man es höchſt unangemeſſen, daß Talleyrand, inmitten dieſer Fürſten⸗ herrlichkeit, an den Tod eines Königs erinnerte, deſſen ſchmachvolles und entſetzliches Ende als eine unheilbare Wunde der Fürſtenautorität erſchien.

Aber am andern Tage entſchädigte man ſich für das düſtere Feſt des einundzwanzigſten Januar! Am andern Tage gab der Kaiſer von Oeſterreich ſeinen Gäſten, wie den Diplomaten und der hohen Ariſto⸗ kratie ein neues, ein glänzendes Feſt. Zur Erholung von der Trauer⸗ feierlichkeit fand an demſelben Abend ein Ball in den Redoutenſälen ſtatt, bei welchem alle Fürſten erſchienen, und am Tage darauf eine Schlittenfahrt. Mehr denn vierhundert mit Gold, Seide und Sammet drapirter Schlitten führten die auserleſene Geſellſchaft, die Damen in der reichſten, prachtvollſten Wintertoilette, hinaus nach Schönbrunn. Dort, auf dem blitzenden Eis des Teiches, vergnügte man ſich mit Schlittſchuhlaufen, fuhren die Cavaliere auf prächtigen, goldſtarrenden Handſchlitten die Damen, führte man Ballets und Nationaltänze auf. Dann fand im Schloß von Schönbrunn ein glänzendes Diner ſtatt, nach welchem man ſich alsdann in den Schauſpielſaal begab, um der Aufführung der Oper Cendrillon beizuwohnen, nachdem dieſe beendet, bei Fackelbeleuchtung die Rückfahrt nach Wien wieder anzutreten, und der armen vergeſſenen Kaiſerin Marie Louiſe, welche ſich in die beiden einzigen, für ſie reſervirten Zimmer zurückgezogen hatte, zu geſtatten, wieder von ihrer Wohnung Beſitz zu nehmen.

Indeſſen einen Todesfall hatte der Congreß in den letzten Mo⸗ naten des Jahres 1814 doch verſchuldet. Der Fürſt von Ligne war

geſtorben, und ſehr wider ſeinen Willen hatte er eine glänzende Ab⸗

wechſelung in die Reihe der Feſtlichkeiten gebracht, hatte er dem Congreß, dem von den verſchiedenartigſten Feſten ermatteten Wien ein neues Feſt gegeben: das Leichenbegängniß eines öſterreichiſchen Feldmarſchalls.

Es war dies in der That ein ſehr ſeltenes, ſehr prachtvolles Feſt, und man würde es vielleicht nicht ſo raſch vergeſſen haben, wenn nicht am Abend dieſes Tages dieTruppe der Kaiſerin, das heißt: die jungen Damen und Cavaliere, welche unter Anordnung der Kaiſerin