Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 3. Band (1859)
Entstehung
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l. Der Anfang des Jahres 1815.

Ein neues Jahr war angebrochen, das Jahr 1815 hatte ſeinen Vor⸗ gänger zu Grabe getragen, und man hatte in Wien dieſe Grablegung des Jahres 1814, dieſe Auferſtehung des Jahres 1815 mit gleich glän⸗ zenden und rauſchenden Feſten gefeiert.

Der Congreß hielt noch immer Vormittags ſeine Sitzungen, in denen er nicht über das Glück der Völker, aber über die Grenzen und Beſitzungen der Fürſten debattirte und ſprach, aber nicht weiter kam, der Congreß feierte noch immer Abends ſeine Bälle, ſeine Routs, ſeine Maskeraden, er führte Theaterſtücke auf, ſtellte lebende Bilder und machte ſeine Bonmots und ſeine kleinen Sinngedichte. Er konnte mit vollkommener Gewiſſensruhe zurückſchauen auf das Jahr 1814, denn er hatte in den drei Monaten der Conferenzen Niemanden un⸗ glücklich gemacht, gar kein Blut, ſondern nur viel Tinte vergoſſen, hatte alle Streitigkeiten, alle Uneinigkeiten mit hinüber genommen in's Jahr 1815, und alle die brennenden und offenen Fragen des verfloſſenen Jahres brennend und offen gelaſſen für das kommende Jahr.

Sachſen war noch immer der Zankapfel, um den man ſich ſtritt, das von Preußen, mit Hülfe Rußlands, begehrt ward, das von Frank⸗ reich, von Baiern, Würtemberg und Weimar verweigert ward, während Oeſterreich ſich bald auf die Seite Preußens, bald auf die Seite

Sachſens ſtellte. Polen war noch immer nicht dem Kaiſer Alexander zugeſprochen,