Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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Beweiſen Sie mir das, rief Marie Louiſe ungeſtüm, ich glaube Ihnen nicht, wenn Sie es mir nicht beweiſen.

Ich habe die Beweiſe bei mir, wenn anders Ew. Majeſtät die Berichte unſerer politiſchen Agenten, die wir auf Elba haben, als Be⸗ weiſe anerkennen wollen! Ich war ſo eben beim Fürſten Metternich, der vor einer Stunde einen Courier vom Herzog von Toscana erhielt, welcher ihm den Bericht der Agenten überſandte.

Geben Sie mir dieſen Bericht, rief Marie Louiſe ungeduldig.

Graf Neipperg zog ſein Portefeuille hervor, und nahm aus dem⸗ ſelben ein engbeſchriebenes Papier, das er der Kaiſerin darreichte.

Sie nahm es, und indem ſie es entfaltete, zitterten ihre Hände ſo heftig, daß das Papier tniſterte und ächzte unter dem Druck ihrer Fingern.

Haſtig, mit weitgeöffneten Augen, mit bebenden Lippen las ſie. Dann warf ſie das Papier mit einer ungeſtümen Bewegung auf den Tiſch.

Es iſt wahr, rief ſie heftig, ja, es iſt wahr. Er hat Marie von Walewska nach Porto Ferrajo kommen laſſen.

Sie ging heftig, in glühender Bewegung auf und ab, kämpfend mit ihrem Zorn und ihrer innern Empörung.

Graf Neipperg, rief ſie dann, vor dem Grafen ſtehen bleibend, Sie haben Recht, es wäre eine Thorheit, wenn ich nach Porto Fer⸗ rajo gehen wollte, denn ich würde mich da in ſchlechter Geſellſchaft befinden. Ich verlange alſo nicht mehr nach Elba zu gehen, ich be⸗ gehre keinen Reiſepaß mehr!

Der Graf ſtieß einen Freudenſchrei aus, und drückte die Hand, welche Marie Louiſe ihm darreichte, an ſeine Lippen.

Ich hoffe indeſſen, daß Ew. Majeſtät bald Wien verlaſſen, und eine Reiſe antreten werden, ſagte er.

Und wohin denken Sie, daß ich reiſen werde?

ſollte, und daß die Frau von St. Elme wirklich nur eine politiſche Agentin, eine Brieftaube ſeiner Schweſter Eliſa war. Siehe: Mémoires d'une Con- temporaine. Vol. V.