Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 2. Band (1859)
Entstehung
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und nicht um perſönlichen Vortheil und Gewinn. Aber um die Sache, der er dient zu fördern, ſcheut er keine Lüge, keine Heuchelei und Verſtellung, und darum nenne ich ihn gefährlich, denn er iſt überdies ein ſchöner Mann, und beſitzt in hohem Grade die Anmuth der Rede und des Betragens. Auch iſt er ſo geſchickt, daß ihm die Polizei nichts anhaben kann. Seine Papiere ſind in Ordnung, er iſt bei der franzöſiſchen Geſandt⸗ ſchaft legitimirt, in vielen Häuſern hier accreditirt, und beſitzt mächtige und einflußreiche Gönner.

Ah, wahrhaftig, Sie machen mich neugierig, dieſes Wunder kennen zu lernen, rief Friederike vollkommen unbefangen. Wie heißt denn Ihr intereſſanter Abenteurer?

Er heißt, je nachdem es ihm bequem iſt. Beim Grafen Aldini iſt er mir vorgeſtellt als Marquis von Laſtodère, doch weiß ich, daß er ſich anderswo als Marquis von Barbaſſon eingeführt hat.

Marquis Barbaſſon, rief Friederike, aus ihrer ruhenden Stellung emporſchnellend, und ſich groß und ſtolz aufrichtend. Marquis Barbaſſon! Ach, ich ſehe, Excellenz, Ihre Spione ſind gut, und Sie haben mich gut überwachen laſſen. Sie wiſſen alſo Alles, Sie wiſſen, daß ich den Marquis kenne, daß er oft zu mir kommt. Ja, ich leugne es nicht, ich kenne den Marquis Barbaſſon, ich leugne es nicht, ich liebe ihn. Er iſt es, der mein Herz erweckt hat. Er iſt es, dem ich meine Hand reichen, von dem ich meinen Namen empfangen will. Oh, Excellenz, zürnen Sie mir nicht, verſtoßen Sie mich nicht von Ihrem Angeſicht, ich verehre Sie als meinen Herrn und Meiſter, ich liebe Sie als Ihre Sclavin, als Ihr Geſchöpf, ich hänge Ihnen in ewiger Treue an als Ihre Schülerin und Ihre Dienerin, aber der Marquis Barbaſſon, den liebe ich als meinen Geliebten, als den Gemahl, dem ich zu ewigem Liebesbunde meine Hand reichen will.

Hat er Ihnen geſagt, daß er ſich mit Ihnen vermählen will? Hat er Ihnen ſeine Hand angeboten? Hat er Ihnen geſagt, daß er Sie liebt?

Die Luft hier iſt noch durchduftet von den Schwüren ſeiner Liebe, und mein Herz bebt noch von der ſüßen Melodie ſeiner Worte, ſeines Liebesantrags. Ja, er hat mir ſeine Hand angeboten, er hat mir ge⸗