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Er wandte ſich ab und durchſchritt langſam, gebeugten Hauptes, das Gemach.
Marie Louiſe ſchaute ihm nach mit bewegten, angſtvollen Mienen, ihr Buſen wogte, ihre Geſtalt bebte, ihre Augen waren unverwandt und mit einem wunderbar leuchtenden Ausdruck auf die gebeugte Geſtalt hingerichtet, die da langſam der Thür zuſchritt.
Jetzt legte der Graf die Hand auf den Griff der Thür, jetzt öffnete er ſie—
Herr Graf Neipperg, rief die Kaiſerin mit einem Ton, der faſt einem Schrei glich.
Der Graf wandte ſich um. Ew. Majeſtät haben mich gerufen? fragte er.
Ja, ich habe Sie gerufen, ſagte ſie athemlos. Kommen Sie hierher, Herr Graf. Beantworten Sie mir noch eine Frage! Sagten Sie nicht, Sie wollten den Kaiſer um Ihren Abſchied bitten, weil Sie die tägliche Qual des Zuſammenſeins mit mir nicht länger zu ertragen vermöchten?
Ich ſagte, daß ich mich zu ſchwach fühlte, noch länger die Folter Ihrer verächtlichen Blicke zu ertragen, rief der Graf heftig, ich ſagte, daß ich nicht länger die Kraft hätte, die Laſt Ihres Haſſes, mit dem Sie mich zerſchmettern, zu ertragen, daß ich deshalb mich flüchten wollte vor den Qualen, die ich hier täglich erdulden muß.
Nun wohl, mein Herr Graf, ſagte Marie Louiſe freudig, Sie werden dieſe Qualen noch länger erdulden müſſen. Ich nehme mein Wort zurück. Ich entlaſſe Sie nicht, nein, ich entlaſſe Sie nicht! Sie haben mich viele Wochen lang leiden gemacht, jetzt ſollen Sie leiden!
Ihre Nähe iſt mir eine ſtete Qual, eine ſtete Mahnung an meine Ab⸗ hängigkeit geweſen, jetzt will ich Ihnen vergelten! Jetzt ſollen Sie Ihre Abhängigkeit fühlen! Ich entlaſſe Sie nicht, ich erlaube Ihnen nicht, bei meinem Vater um Ihren Abſchied nachzuſuchen. Sie ſind mein Ehrencavalier und Sie ſollen es bleiben. Sie ſollen täglich die Qual erdulden, neben mir zu ſein, Sie ſollen Theil nehmen an meinen Diners, Sie ſollen gezwungen ſein, Ihren Dienſt zu erfüllen, mit mir ſpazieren zu gehen, mich zu unterhalten, mir auf dem Pianoforte


