Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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Ich bin kein Räuber, ſagte er ſtolz, ich bin ein Feldherr, und meine Soldaten mußten das Fouragiren lernen.— Die Leute lachten, und verziehen ihm das Fouragiren, wenn er verſprechen wollte, ſeine Schlachten künftig nicht wieder in ihren Gärten zu liefern. Napoleon verſprach es, und verſprach auch ſeiner guten Amme Cordelia, daß er ſich jetzt wie ein Mann und ein Feldherr betragen, und niemals mehr

Abends im Bett weinen wolle, wenn ſein Schlafgefährte, der Bruder«

Louis, ſo laut ſchnarchte.— Er hielt auch Wort, und als Abends Louis wieder ſo heftig ſchnarchte, da weinte Napoleon nicht, ſondern er lag ganz ſtill, und ſah mit ſeinen großen feurigen Augen ſeine Amme Cordelia ſpöttiſch an, indem er flüſterte:„Er wird doch wohl einmal aufhören, wie ein Eſel zu ſchreien.“ Als aber Louis immerfort ſchnarchte, da ward der kleine Napoleon zornig, und ſchüttelte und rüttelte ſeinen Bruder ſo heftig, bis dieſer die Augen aufſchlug und erwachte.

Warum weckſt Du mich, Napoleon? fragte er ſeufzend.

Weil Du ſchnarchteſt, wie ein Eſel, und weil ſich das nicht ge⸗ ziemt für den Bruder des Königs von Corſika und Frankreich, ſagte Napoleon trotzig.

Ach, ſeufzte Louis, ich träumte eben ſo ſchön und prächtig.

Und was träumteſt Du denn?

Ich träumte, daß ich König wäre, und eine goldene Krone auf meinem Haupte trüge!

Wie, rief Napoleon heftig, was bin denn ich, wenn Du König biſt? Dann muß ich doch zum Allerwenigſten Kaiſer ſein!

Zum Allerwenigſten? fragte Louis ſchüchtern. Kann man denn noch mehr ſein?

Ja, man kann noch mehr ſein, rief Napoleon, man kann ein be⸗ rühmter Feldherr ſein, ein berühmter Mann, und das iſt mehr als König und Kaiſer und Papſt, das iſt ſo viel als der liebe Gott ſelber iſt!

Die gute Cordelia drückte mit einem Ausruf des Schreckens ihre Hand auf Napoleons Lippen, und neben dem Bett auf ihre Kniee ſin⸗ kend, rief ſie:„Bete, Napoleon, bete, daß der liebe Gott Dich nicht ſtrafe für Deinen Uebermuth, und nicht in's Gericht mit Dir gehe,

Mühlbach, Napoleon. 1V. Bd. M