Es bedarf dazu keiner weitern Vorbereitungen, ſagte Marie Louiſe ſtolz, ich bin es ſehr gewohnt, Königen und Fürſten Audienzen zu geben.
Aber jetzt ſollſt Du nicht blos Audienzen geben, ſagte Ludovica lächelnd, ſondern ich habe Dir noch eine andere Freude zu verkünden, Du ſollſt auch zu einer Audienz zugelaſſen werden. Ich wollte Dich morgen mit dieſer Nachricht überraſchen, aber ich ſag's Dir lieber gleich heute: die Kaiſerin von Rußland will Dir eine Audienz geben.
Ich habe indeſſen keine Audienz verlangt, ſagte Marie Louiſe, ihr Haupt ſtolz zurückwerfend. Ich bin keine Bittſtellerin!
Ach, meine Tochter, rief Ludovica zärtlich, doch bleibt Dir ſo Vieles zu bitten, und Du bedarfſt ſo ſehr der Fürſprache! Die Kai⸗ ſerin Eliſabeth iſt ſehr bereit, allen ihren Einfluß anzuwenden, damit der Congreß die Sorge für Deine Exiſtenz übernimmt und Dich als Herzogin von Parma feierlich anerkenne. Es iſt daher wohl nöthig, daß Du der Kaiſerin einen Beſuch machſt.
Iſt das auch Ihre Anſicht, mein Vater? fragte Marie Louiſe, ſchüchtern zu dem Kaiſer empor ſehend. Bedarf es wirklich für mich noch anderer Protectionen, da ich doch unter der Protection meines edlen und großmüthigen Vaters ſtehe?
Der Kaiſer zuckte die Achſeln. Mein Kind, ſagte er, ich bemerkte Dir ſchon vorher, daß in Deiner Sache ich mich ganz neutral ver⸗ halten muß, und daß das Zartgefühl und meine Stellung als Vater es mir zur Pflicht machen, in Betreff Deiner Angelegenheiten auf den Congreß gar keinen Einfluß auszuüben.*) Es wär' alſo halt ſehr gut, wenn die Kaiſerin Eliſabeth und die Großfürſtin Katharina, die Beide viel Einfluß auf die Herren des Congreſſes haben, Deine Für⸗ ſprecherinnen ſein wollten. Und ich rath' Dir deshalb den Vorſchlag der Kaiſerin anzunehmen und mit ihr zur Kaiſerin Eliſabeth zu fahren.
Ich habe auch ſchon Alles mit der Kaiſerin verabredet, ſagte Lu⸗ dovica freundlich, die Etiquettefrage iſt erledigt. Da Du mit mir und in meiner Begleitung kommſt, ſo wird die Etiquette geübt werden, wie man ſie einer Kaiſerin ſchuldig iſt, und die Kaiſerin Eliſabeth wird
*) Des Kaiſers eigene Worte. Siehe: Méneval, Msmoires. III. 5.


