Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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ſterben ſollte, ſo würde die Herzogin von Sagan ſich vielleicht n ſchließen, Metternichs Hand anzunehmen, ſei's auch nur, um endlich ſich darüber zu entſcheiden, ob ſie ihn liebt oder haßt, ob ſie ſeine Freundin oder ſeine Feindin iſt, ob ſie ihn nur deshalb verabſcheut, weil er neben ihr noch funfzig anderen Frauen den Hof macht, oder ob ſie ihn nur deshalb liebt, weil noch funfzig andere Frauen ihn lieben und ihr ſeine Perſon ſtreitig machen. Aber die Fürſtin Metternich lebt, und ſie iſt viel zu boshaft, um ihren Nebenbuhlerinnen den Gefallen zu thun, die Hand ihres ſchönen Gemahls frei zu geben, und ihn zum Wittwer zu machen. Die Herzogin von Sagan aber iſt Metternichs politiſche Nymphe Egeria, und an dem Born ihrer Weisheit und Welterfahren⸗ heit trinkt er ſich dieſelbe Erkenntniß, welche ſich einſt Eva aus dem von der Schlange ihr dargereichten Apfel. Die Herzogin iſt aber außerdem bei dem Kaiſer von Rußland noch einflußreicher als die Fürſtin Bagration, denn ſie iſt geiſtreicher, und ſie verſteht Etwas, was der leichtfertigen Bagration ganz unmöglich iſt, ſie verſteht es, auf die frommen Schwärmereien des Kaiſers einzugehen, und wenn ſie die Stimmung dazu anwandelt, oder wenn der Schatten ſeines ermordeten Vaters, des Kaiſers Paul, mit drohendem Auge an ihm vorüberſchweift, mit dem Kaiſer zu beten, und von Gott und den göttlichen Dingen zu ſchwärmen. Es kommt nun darauf an, ob Fürſt Metternich es ver⸗ ſtehen wird, die Herzogin auch jetzt noch als ſeine Freundin zu bewahren, und ſie ſeinen Intereſſen geneigt zu erhalten, wenn nicht, wird ſie ſeine mächtige Feindin werden, und ſie wird ihn ſtürzen, deſſen ſeien Sie gewiß! Man ſagt, daß der Kaiſer Alexander ihm überdies nicht ſehr geneigt ſei, und die Herzogin von Sagan iſt eine viel zu geiſtreiche und welterfahrene Frau, um, wenn ſie die Wahl hat zwiſchen der zweifel⸗ haften Freundſchaft eines öſterreichiſchen Miniſters, und der mächtigen Gunſt eines ruſſiſchen Kaiſers, nicht lieber den Letztern zu bewahren, und den Erſteren fallen zu laſſen. Oh, es wird allerliebſte Salon⸗ kämpfe auf dieſem Congreß geben, und die Abſichten und Zwecke des Congreſſes werden nicht in den Sitzungen der Diplomaten, ſondern in den Salons und den Boudoirs der Damen entſchieden werden.