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ſuchen, ſich Coſtüme zu Maskenbällen und kleinen allerliebſten Theater⸗ Aufführungen beſorgen, mußten ihre Rollen, ich meine nicht die, welche ſie auf dem Congreß ſpielen wollten, ſondern die, welche ſie in den Theaterſtücken ſpielten, auswendig lernen, Proben halten; genug, ſie hatten durchaus keine Zeit übrig, um ſich mit politiſchen Angelegen⸗ heiten zu beſchäftigen. Ich hoffe, Sie ſehen das ein, mein Herr, und ſind nicht ſo vermeſſen, die Herren Congreßmitglieder der Saumſelig⸗ keit anzuklagen.
Nein, gewiß nicht, höchſtens zu großer Seligkeit möchte ich ſie anklagen, und ſie bitten, dem deutſchen Volk, das noch immer in Un⸗ gewißheit, in Trauer und Angſt bei Seite ſteht, ein wenig von der Seligkeit, die ſie empfinden, abzugeben. Aber erlauben Sie mir doch eine Frage? In welcher Sprache unterhält man ſich denn eigentlich in den hieſigen Salons und bei den Feſtlichkeiten? Werden die Theater⸗ ſtücke, welche man aufführt, in deutſcher Sprache geſpielt?
In deutſcher Sprache? Wo denken Sie hin. Dann würde es ja Niemand verſtehen, und wie wenig Bildung und Feinheit das be⸗ weiſen würde, wenn man Deutſch ſpräche, und deutſche Komödien ſpielte! Wie ſollten ſich denn die Deutſchen mitſammen verſtehen, wenn ſie nicht Franzöſiſch miteinander ſprächen? Glauben Sie etwa, daß der König von Preußen es verſtehen würde, wenn man ihm hier auf gut Wieneriſch etwas vorſpielte, oder daß der Kaiſer von Oeſter⸗ reich eine Sylbe verſtände, wenn man ihm den norddeutſchen Dialekt zum Beſten gäbe? Nein, nein, die guten Deutſchen aus Nord und Süd, und Oſt und Weſt verſtehen ſich nur unter einander, wenn ſie Franzöſiſch ſprechen, und es iſt daher ganz natürlich, daß man jetzt hier in Wien nur Franzöſiſch ſpricht. Mein Gott, auf Franzöſiſch kann man ſo viele hübſche Worte machen, ohne ein einziges Wort zu ſagen, und das iſt den Diplomaten gerade angenehm. Wenn ſie hier erſt Deutſch miteinander reden, dann wird bald ein neuer Krieg vor der Thür ſein.
Oh Deutſchland, armes betrogenes Deutſchland, murmelte Herr von Sahla leiſe vor ſich hin, mit ſchmerzlichem Ausdruck zum Himmel empor ſchauend. Wie viel haſt Du gelitten, und wie viel wirſt Du 2*


