Teil eines Werkes 
4. und letzte Abtheilung, Die Wiener Conferenzen : 1. Band (1859)
Entstehung
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hinüber gewandt nach dem Kaiſer, ein wundervolles Lächeln um⸗ ſpielte ihre purpurrothen Lippen, eine leiſe zarte Röthe überhauchte, je länger Alexander ſprach, ihre Wangen von durchſichtiger Bläſſe. Auf einmal, vielleicht von den ſo forſchend auf ſie gehefteten Blicken der Kaiſerin angezogen, wandte die junge Dame das Auge von dem Kaiſer ab, und warf einen raſchen verſtohlenen Blick auf die Gemahlin Alexanders. Ihre Augen begegneten jetzt den forſchenden, durch⸗ bohrenden Blicken der Kaiſerin, und ſofort übergoß eine tiefe Purpur⸗ gluth die Wangen, das ganze Angeſicht, den Hals der jungen Dame, ſie ſenkte die Augenlider, und ließ ſich, wie in innerem Schrecken er⸗ bebend, raſch auf ihren Sitz niedergleiten.

Die Kaiſerin ſeufzte tief auf, und ſo bang und ſchmerzlich war dieſer Seufzer, daß die Großfürſtin Catharina, welche neben der Kaiſerin ſaß, ſich ganz beängſtigt ihrer Schwägerin zuwandte.

Weshalb ſeufzen Sie, meine Schweſter? fragte ſie theilnahmsvoll. Sind Sie leidend?*

Ja, ich leide, ſagte Eliſabeth leiſe, blicken Sie ſeitwärts, Catha⸗ rina, ſehen Sie, wie ſchön und lieblich die Gräfin Auersperg iſt.

Die Großfürſtin lächelte. Arme Schweſter, ſagte ſie, ich verſtehe Sie. Gabriele Auersperg iſt ſehr ſchön, und mein Bruder Alexander hat Augen für die Schönheit. Er hat bei ſeiner Claſſification der Wiener Schönheiten, welche Claſſification jetzt in allen Salons circulirt, die Gräfin Auersperg bezeichnet, alsla beauté qui inspire seule du vrai sentiment.*)

Ja, murmelte die Kaiſerin leiſe vor ſich hin, es iſt eine öffentliche Liebeserklärung, und ich, ich liebe ihn! Ach, Katharina, ich liebe ihn, und er ſieht es nicht und weiß es nicht!

Sagen Sie es ihm, Eliſabeth, und er wird es wiſſen, und ſein edles und großes Herz wird ſich Ihnen in dankbarer Gegenliebe zu⸗ neigen, flüſterte Katharina.

Ich ſoll um ſeine Gegenliebe betteln? fragte Eliſabeth. Nie, nie⸗ mals! Der Wille der Kaiſerin Katharina hat uns vermählt, als wir

*) AusKarl von Noſtiz Leben und Briefwechſel. S. 144.