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Plätze zu enormen Preiſen waren verkauft worden. Außerdem waren da noch die an den beiden Enden jeder der Tafeln angebrachten Tri⸗ bünen für die Muſici, hundert kleine Tribünen, zu deren Bemannung das ganze muſikaliſche Böhmerland, das ganze melodiedurchrauſchte Italien ſeine Bläſer und Violinſpieler, ſeine Paukenſchläger, Flötiſten, Celliſten, Trompeter ꝛc. entſandt hatte. Alle jene anderen Tribünen waren jetzt ſchon geſchmückt mit den Glücklichen, welche entweder durch ihren Rang und ihre Stellung oder durch ihr Geld Plätze erhalten hatten. Aber es gab da nicht minder Glückliche, welche weder durch Rang und Stellung, noch durch Geld, ſondern nur durch ihre eigene Geſchicklichkeit ſich Plätze verſchafft hatten, das waren die Leute, welche in der Frühe des Morgens ſchon in den Prater gegangen wa⸗ ren, welche mit Katzenbehendigkeit die hohen Bäume, die als die Rieſen⸗ ſchildwachen der Natur rings den Platz einfaßten, erklettert hatten. Wie reife Früchte in den Zweigen hängend ließen ſie ihre glühenden Pfirſichwangen, ihre lachenden Kirſchenlippen, ihre gerötheten Aepfel⸗ geſichter zwiſchen dem grünen Laub hervorſchimmern, und hoch über dem kleinen Getriebe der Welt erhaben, ſchienen ſie ganz überzeugt, daß das, was ſich da zu ihren Füßen begab, nur ihnen allein zur Augenweide, nur ihnen zum unausſprechlichen Vergnügen bereitet ſei. Tauſende ſolcher glücklichen Zuſchauer ſchwebten ſo über der Menge in den Lüften, das Feſt aus der Vogelperſpective genießend, und die Tauſende und aber Tauſende, die zu ſpät gekommen, die nicht mehr in den Prater zur rechten Zeit hatten gelangen können, um einen Platz auf den Bäumen oder zwiſchen den Tribünen zu finden, wogten in den weiter entfernten Alleen auf und ab, oder ſtanden in undurchdringlichen Maſſen vor den Eingangspforten des Praters, des großen Moments harrend, wo die Herrſcher mit ihren glänzenden Suiten, die fürſtlichen Damen in ihren glänzenden Equipagen anlangen würden.
Auch auf den Tribünen herrſchte jetzt ſchon eine lebhafte Span⸗ nung und Ungeduld, denn die Stunde des Feſtes war jetzt herangerückt. Schon waren die Soldaten, die Theilhaber des Feſtes, mit klingendem Spiel, mit den Fahnen, welche bei Leipzig die Lüfte durchflattert hatten, geführt von ihren Regiments⸗Commandeuren, auf den Platz gerückt,


