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Recht Theil zu nehmen an den Erinnerungsfreuden jenes Tages, denn ſie waren gewählt aus den Regimentern, welche heute vor einem Jahr mit in der Schlacht geſtanden und ſich ausgezeichnet hatten durch ruhm⸗ volle Tapferkeit. Die Soldaten hatten Napoleon beſiegt, deshalb alſo mußte das heutige Feſt ein militairiſches ſein, und die Diplomaten, die Herren des Wiener Congreſſes, mußten es ſich wohl heute gefallen laſſen, in den Hintergrund zu treten und den Soldaten den Vorrang zu laſſen, denn dieſe hatten ihre Siege ſchon mit ihrem Blut beſiegelt, während jene ihre Siege erſt noch mit ihrer Tinte zu bezeichnen hatten.
In den langen ſchattigen Laubgängen des Praters alſo ſollte heute das militairiſche Feſt ſtatthaben. Selbſt der Himmel ſchien Antheil zu nehmen an dieſem Feſt, denn er hatte in den letzten Tagen fort⸗ während eine reine, heitere Bläue gezeigt, als wollte er mit ſeiner Helle und mit ſeinem Glanz den Arbeitern leuchten, welche vom Auf⸗ gang der Sonne bis zum Einbruch der Nacht damit beſchäftigt waren, im Prater die Vorbereitungen zu dem Feſt zu machen, er hatte trotz der herbſtlichen Jahreszeit durch die warmen Lüfte, die er hernieder ſandte, durch die erquickenden Strahlen der Sonne das Laub der Bäume grün und friſch erhalten und den Blumen einen letzten Tag der Blüthe und der Schönheit aufbehalten; denn dieſes Laub der Bäume wollte man benutzen zu den rieſenlangen Guirlanden, welche rings um die Feſttafeln von Baum zu Baum ſich winden ſollten, und dieſe letzten Herbſtblumen waren dazu beſtimmt in duftenden Sträußen die Tafeln zu zieren, an denen die Krieger ſich niederlaſſen ſollten zum frohen Erinnerungsmahl.
Alle Vorbereitungen waren jetzt beendet; auf den funfzig langen Tafeln inmitten des ungeheuren Platzes, den man nur dadurch ge⸗ wonnen, daß man tauſende von rieſengroßen Bäumen abgehauen und ſchattige Alleen verſchwinden gemacht hatte, um daraus einen Bankett⸗ ſaal der Natur zu machen, auf dieſen funfzig Tafeln waren alle Cou⸗ verts geordnet, alle Embleme und Verzierungen angebracht. Die ab⸗ gehuuenen Blume hatte man benutzt, um aus ihren dicken Stämmen
Sitze zu bereiten, die oberhalb mit grünem Tuch beſchlagen, unterhalb mit Laubgewinden geſchmückt, gleichſam aus der Erde emporgewachſen
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