l. Das Jeſt im Prater.
Es war heute der erſte Jahrestag der großen Völkerſchlacht bei Leipzig, der 18. Oktober 1814. Heute vor einem Jahr war die Macht des Imperators gebrochen, heute vor einem Jahr hatte Deutſchland aus langer Ermattung und Schmach ſich emporgerichtet und das Joch ab⸗ geſchüttelt, unter dem es zwölf Jahre lang geſeufzt und geblutet hatte.
Die Erinnerung an dieſen großen Tag wollte man heute in Wien beſonders feſtlich begehen; der Congreß von Wien, der ſeit dem Ende des September dort zuſammengetreten war, wollte mit dieſer öffent⸗ lichen großen Demonſtration Deutſchland beweiſen, daß er wirkliche patriotiſche Gefühle hege, und daß er ein Herz habe für das Ereigniß der Befreiung Deutſchlands. Die Welt, deren Augen jetzt auf Wien gerichtet waren, ſollte erkennen, daß die deutſchen Fürſten und Diplo⸗ maten ſehr wohl die Größe jenes Tages zu würdigen verſtänden, und daß ſie freudig bereit wären heute zu jubeln, zu eſſen und zu trinken in Erinnerung des Tages, an welchem vor einem Jahr das deutſche Volk ſein Blut hingegeben für die Befreiung des Vaterlandes.
Ein großes militairiſches Feſt aber ſollte heute im Prater gefeiert werden. Ganz Wien freute ſich darauf, ganz Wien ſtrömte hinaus in den Prater, um die Arrangements des Feſtes anzuſtaunen, um die langen rieſenhaften Tafeln zu bewundern, an denen heute eine Geſell⸗ ſchaft von ſechszehntauſend Perſonen ſpeiſen ſollte. Sechszehntauſend Perſonen, welche der Kaiſer Franz heute zur Tafel geladen, um das Jahresfeſt der Niederlage ſeines Schwiegerſohnes zu feiern.
Aber dieſe ſechszehntauſend Perſonen hatten indeſſen wohl ein 3 5


