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Traurig und ſchweigend trat Jeder in den Saal ein, und auf die ehrerbietigen Verbeugungen antwortete die Kaiſerin nur mit einem ſtummen Kopfnicken.
Ihre Augen, die vom Weinen geröthet waren, richteten ſich immer wieder auf die Thür; ſie erwartete in fieberhafter Spannung die Wieder⸗ kehr des Königs Joſeph, der mit Anbruch des Tages die Tuilerien verlaſſen und ſich nach den Thoren von Paris begeben hatte, um die Stellung des Feindes zu recognosciren.
Aber die Zeit verging und Joſeph kam nicht. Man hatte um acht Uhr Morgens abreiſen wollen, jetzt war es ſchon mehr als neun Uhr und der König Joſeph war immer noch nicht zurickgekehrt.
Dieſe unerwartete Zögerung erhöhte noch vie angſtvolle Span⸗ nung, in welcher man ſich befand. Niemand wagte die athemloſe Stille, die in dem großen Saal herrſchte, durch irgend ein lautes Wort zu unterbrechen, man flüſterte nur hier und da leiſe miteinander, und wenn irgend eine Thür ſich öffnete, ſo ſchrak man zuſammen und blickte angſtvoll hin, als erwarte man, den Boten einer unheilsvollen Nachricht eintreten zu ſehen. Das Antlitz der Kaiſerin ward immer bleicher, immer angſtvoller, ihre Geſtalt bebte; zuweilen wandte ſie ſich ihren hinter ihr ſtehenden Damen zu und richtete an ſie irgend eine haſtige, unverſtändliche Frage, deren Beantwortung ſie gar nicht ab⸗ wartete, indem ſie ihr Antlitz wieder nach der Thür hinwandte, oder das Haupt auf ihre Bruſt ſenkte und trübe vor ſich hinſtarrte.
Auf einmal ward dieſe Thür haſtig geöffnet und auf der Schwelle derſelben erſchien der kleine König von Rom, dem ſeine Gouvernante, die Baronin von Montesquiou, folgte.
Das Antlitz des Knaben zeigte heute nicht den gewohnten Aus⸗ druck kindlicher Heiterkeit, der ſonſt wie Sonnenſchein von ſeinen ſchönen Zügen ſtrahlte. Auf ſeinen purpurrothen Lippen ſchwebte kein Lächeln und ſeine ſonſt ſo glänzenden blauen Augen waren umſchleiert. Mit trotzigem Angeſicht, ohne irgend Jemanden anzuſehen oder zu begrüßen, ſchritt der kleine König von vier Jahren durch den weiten Saal gerade zu ſeiner Mutter hin.
Mama Kaiſerin, ſagte er mit lauter, ſilberheller Stimme, meine


