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nicht zu erſchrecken durch eine Traurigkeit, welche Ew. Majeſtät in der Großmuth und Güte Ihres Herzens ſo oft überwunden haben.
Ja, ja, ſagte die Kaiſerin, die Hände von ihrem Antlitz ziehend und haſtig mit dem Taſchentuch ſich die Augen trocknend, ja, ich will nicht weinen. Es iſt wahr, ich habe ja ſo oft gebeten, den König von Rom, das Kind, dem ich geopfert bin, zu ſehen und in ſeinem Antlitz zu leſen, ob es meines Opfers werth iſt. Der Kaiſer iſt gütig, daß er meinen Wunſch erfüllt, ſagen Sie ihm, daß ich es ihm innigſt danke, daß ich mein Herz beherrſchen und den Prinzen nicht ahnen laſſen will, wer ich bin. Sagen Sie ihm, daß ich nicht weinen will, wenn ich das Kind meiner Nachfolgerin ſehe. Nein, nein, ſagen Sie ihm dies nicht, Conſtant, es würde ihm wehe thun, ſagen Sie ihm nur, daß ich ihm danke und daß er mit mir zufrieden ſein ſoll. Gehen Sie, Conſtant, ich bin bereit und freue mich auf den König von Rom. Es iſt nicht ihr Kind, ſondern es iſt ſein Kind, das ich umarmen werde.
Und Conſtant mit jenem unnachahmlichen Lächeln voll Anmuth und Güte, das nur Joſephinen eigen war, begrüßend, ſchritt die Kaiſerin nach dem Salon hin.
Wie mein Herz klopft, flüſterte ſie leiſe, es iſt, als ob meine Füße unter mir zuſammenbrächen, als ob ich ſterben müßte.
Langſam, faſt einer Ohnmacht nahe, ſchlich ſie durch das Neben⸗ gemach und trat in den Salon ein. Muth, mein Herz, Muth, murmelte ſie, es iſt ſein Kind, das ich begrüßen will.
Sie ließ ſich auf einen Fauteuil nahe am Fenſter nieder und ihre weit geöffneten Augen richteten ſich mit Blicken voll zugleich ängſt⸗ licher und ſehnſuchtsvoller Spannung nach der großen Flügelthür da drüben hin.
Endlich öffnete ſich die Thür und in derſelben erſchien der Kaiſer.
Joſephine hatte ihn faſt ſeit einem Jahre nicht geſehen, und zuerſt hatte ſie daher jetzt nur Auge und Blick für ihn. Sie las in dieſem bleichen, durchfurchten Angeſicht, in der von Wolken beſchatteten Stirn die geheime Geſchichte ſeiner Leiden, die der ſtolze Cäſar vielleicht Nie⸗ manden verrathen hatte, welche ſich aber dem Auge der Liebe nicht


