Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

d

567

Sie es Jedermann: Wir werden in drei Monaten Frieden haben, oder ich werde untergegangen ſein. Wir werden den Feind aufſuchen und ihn hinter unſere Grenzen zurückwerfen. Ich wiederhole es, elf Zwölf⸗ theile des Corps legislatif ſind von dem beſten Geiſte beſeelt; aber wenn ſich unter den Anderen, wenn ſich unter Ihnen Einer befindet, der es wagen wollte, Ihre Adreſſe und Ihre Reden drucken zu laſſen, ſo würde ich ſelbſt die Adreſſe im Moniteur abdrucken laſſen, und ich ſelbſt würde ſie mit Noten und Randbemerkungen begleiten. Angenommen ſelbſt, daß ich Unrecht hätte, ſo dürftet Ihr mir doch nicht öffentlich Vorwürfe machen. Man muß ſeine ſchmutzige Wäſche nur in der Fa⸗ milie waſchen. Gehen Sie! Kehren Sie heim! Die nächſte Zukunft wird entſcheiden über Frankreich und über mich! Ich werde meinen Platz bis zum letzten Blutstropfen vertheidigen, denn Frankreich bedarf meiner, nicht aber Eurer! Geht!*)

Die letzten Donner ſeiner Rede hallten noch durch den Saal, als die Deputirten, mit bleichen, düſteren Geſichtern, ſich ſtumm und ſcheu vor dem Thron verneigend, ſich umwandten und der Thür zuſchritten.

Aller Augen richteten ſich auf ſie hin, Jeder fühlte, daß dieſe Männer, welche der Kaiſer mit ſo heftigen Scheltworten entließ, daß dies zwanzig neue und mächtige Feinde ſeien, welche Napoleon in die Provinzen entſandte, um eine neue feindliche Armee, die öffentliche Meinung, gegen ſich zu ſammeln. Jeder hoffte, daß der Kaiſer, ſeinen Mißgriff erkennend, die Abgeſandten mit einem gütigen Wort, einem Wink ſeiner Hand zurück rufen werde, um ſich zu verſöhnen mit De⸗ nen, welche, was der Kaiſer auch immer ſagen mochte, hier in dem

Thronſaal doch die Stimme des Volkes und der öffentlichen Meinung

zu vertreten hatten.

Aber der Kaiſer rief ſie nicht; ſtolz und hoch auf ſeinem wen da ſtehend, ſchaute er den Abgehenden nach mit finſteren Zornesblicken und erſt als der Letzte von ihnen in der Thür des Vorſaals verſchwundenz

*) Dieſe Rede iſt mitgetheilt in: Thiers, Histoire du Consulat ete. Vol. XVII.; in: Mémoires d'un homme d'état. Vol. XII.; und Abrantés, Mémoires. Vol. XVII. 4