Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 4. Band (1859)
Entstehung
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ich jetzt blos Oberfeldherr für's Rückwärts ſein ſoll? Wenn mir Ew. Majeſtät blos dazu den goldenen Degen gegeben haben, daß ich ihn als Paradedegen gebrauche und Invalide werde, ſo muß ich dafür danken. Sire, hier iſt der ſchöne Degen, ich lege ihn ehrerbietig zu Ihren Füßen nieder; Ew. Majeſtät haben Sich geirrt, Sie wollten ihn dem Oberfeldherrn der rückmarſchirenden Truppen geben, und der bin ich nicht und kann ich nicht ſein!

Er ſchnallte haſtig den Degen aus dem Wehrgehänge und legte ihn auf den Tiſch neben dem Kaiſer hin.

Und weshalb können Sie es nicht ſein? fragte Alexander gelaſſen.

Weil ich nicht meinen ehrlichen Namen dazu hergeben kann, un⸗ ehrliche Dinge zu thun, rief Blücher heftig.

Blücher, Sie vergeſſen ſich, ſagte der König faſt ſtreng, Ihre Worte ſind zu ſtark.

Ja, Majeſtät, ich weiß, daß ſie ſtark ſind, rief Blücher, aber die Wahrheit iſt auch ein ſtarkes Ding, und die will jetzt raus aus meiner Bruſt, und ich kann ſie nicht mehr zurückhalten. Die Wahrheit aber iſt, daß es eine ewige Schande und Dummheit wäre, wenn wir jetzt umkehrten, ohne uns auf dem linken Rheinufer wieder zu erobern, was wir an Frankreich abgetreten. Die Majeſtäten meinten vorher, der Ehre ſei genug gethan, und Gerechtigkeit ſei geübt worden. Aber das iſt, mit Verlaub zu melden, nicht wahr. Der Ehre iſt nicht genug ge⸗ than, wenn wir zurückweichen, ſtatt vorwärts zu gehen, denn wir zeigen dadurch, daß wir uns immer noch mißtrauen, und uns trotz unſerer überlegenen Heere nicht ſtark genug halten, den Mann anzugreifen, der uns ſeit beinahe zwanzig Jahren angegriffen hat, und dem nichts heilig geweſen, keine Verträge, kein Eigenthumsrecht und keine Nationalität! Nein, der Gerechtigkeit iſt nicht genug gethan, wenn wir jetzt Kehrt machen, und uns Frankreichs Grenzen heiliger dünken, als ihnen all⸗ zeit Deutſchlands Grenzen gedünkt. Der Bonaparte hat ſich Holland, ein Stück von Deutſchland und Italien behalten, und er ſagt, er will kein Dorf wieder herausgeben von dem, was er erobert hat, und wenn der Feind auf den Höhen von Paris ſtände. Nun wär's Gerechtigkeit, wenn wir bis Paris marſchirten, und ihn zwängen, nicht blos ein Dorf,