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Europa ſchreit noch lauter, und die will und gebietet den Krieg, und wir werden ihn haben, allen Trübſalsſpritzen zum Trotz. Deshalb ſollten Ew. Excellenz auch nicht verzagen, und uns nicht verbieten, heute Ihren Geburtstag würdig zu feiern. Ihr ganzes Heer ſehnt ſich danach, Ihnen ſeine Glückwünſche entgegen jubeln zu können, und die Herren Officiere vom York'ſchen Corps, die Ew. Excellenz heute einen Ball geben wollten, und auf Ihre Einwilligung ſo feſt gerechnet hatten, daß ſie ſchon alle Arrangements getroffen hatten, die ſind nun in Ver⸗ zweiflung, weil Sie ihre Einladung nicht angenommen haben, und nicht auf dem Ball erſcheinen wollen. Der General von York ſelbſt iſt ganz empfindlich über Ihre Weigerung, und meint, Sie wollten nicht kommen, um nicht mit ihm zuſammen zu ſein.
Mag er meinetwegen empfindlich ſein, der alte Knaſterbart! rief Blücher. Er muß ja immer was haben, worauf er ſchimpfen kann, und hat ja auch ſchon oft genug auf mich geſchimpft. Nu mag er's noch mal thun, das iſt mir ganz einerlei. Ich gehe deswegen doch nicht auf den Ball. Was ſollt' ich da anfangen? Luſtig ſein kann ich nicht, denn der Aerger drückt mir beinahe das Herz ab, und ſtatt den Leuten freundlich zu ſein, möcht' ich ihnen lieber Allen die Fauſt unter die Naſe ſchieben. Ach, Gneiſenau, die Menſchen ſind doch gar zu erbärmlich, und die im großen Hauptquartier, das ſind doch die aller⸗ erbärmlichſten! Wollen Frieden machen! Begreifen Sie das, Gneiſenau, Frieden jetzt, wo wir ſchon unterwegs ſind nach Paris, wo wir man blos nöthig haben,'n feſten Entſchluß zu faſſen, um den Bonaparte ganz ſicher vom Thron zu ſtoßen! Es iſt zum Schreien, zum Erbarmen und zum Fluchen. An den Galgen mit all den Trübſalsſpritzen, an den Galgen mit den alten Weibern, die'ne Uniform tragen, und lieber ſtatt'n Federhut'ne Nachtmütze auf den Kopf ſetzen ſollten!
Ach, rief Gneiſenau lächelnd, wenn ſie's thäten, würden Ew. Ex⸗ cellenz ihnen ja doch die Nachtmützen abreißen, und ihnen den Feder⸗ hut mit Gewalt wieder aufſetzen. Und was die alten Weiber betrifft, ſo wird der junge Held Blücher ſie doch zuletzt Alle in die Flucht jagen, und ſie werden ihm das Feld räumen müſſen.
Ach, Gneiſenau, wenn das wäre, dann würd' ich noch mal wieder
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