ſeinen lieben Schwieg
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Feldmarſchall Blücher da iſt, daß er lebt, zum Heil und zum Wohl Deutſchlands.
Blücher reichte ihm freundlich die Hand dar. Wollt', Sie hätten Recht, Gneiſenau, und ich wär' wirklich zum Heil Deutſchlands da. Aber ſie brauchen mich ja nicht mehr, die Herren im großen Haupt⸗ quartier. Bin ihnen ſchon wieder ein Aergerniß und ein Stein des Anſtoßes, bin ſchon wieder der alte Tollkopf, der verwegene Huſar ge⸗ worden, blos weil ich ſchrei':„Wir müſſen vorwärts, vorwärts nach Frankreich, nach Paris!“ während die Trübſalsſpritzen*) immer grei⸗ nen:„Wir müſſen Frieden machen! Wenn wir nach Frankreich gehen, ſind wir verloren!“ Gneiſenau, wenn das ſo fort geht, ſo iſt das heute mein letzter Geburtstag, denn ich werd' ſterben vor Wuth und vor Zorn. Denn ich weiß es, wenn wir Frieden machen, ſo iſt alles Blut umſonſt gefloſſen, und aller Sieg umſonſt erkämpft, und in ein paar Jahren, wenn er ſich wieder erholt hat, wird der Bonaparte auf's Neue anfangen, und die ganze Jammergeſchichte wird von Neuem los⸗ gehen. Aber ſie haben keine Courage. Der Bernadotte will nicht, daß den Franzoſen Leids geſchieht, und der Kaiſer von Oeſterreich will
erſohn ſchonen, und die reden nun drein auf un⸗ ſern König und auf den Kaiſer Alexander, daß die nicht wiſſen, was ſie anfangen ſollen, alſo wird Alles verloren gehen!
Und wozu wären wir denn da? fragte Gneiſenau lächelnd. Wozu gäb' es denn einen Feldmarſchall Blücher, wenn es nicht doch zuletzt vorwärts gehen ſollte, und vorwärts gehen müßte? Nein, nein, die Herren, welche ſo ſehr den Frieden wünſchen, irren ſich, wenn ſie glauben, daß ſie Alles wieder umſtoßen und rückgängig machen können, und daß es nur von ihrem Willen abhängt, Krieg oder Frieden zu machen. Das Rad iſt nun einmal in Bewegung, das den Napoleon zerſchmet⸗ tern ſoll, und keine Menſchenhand wird es mehr aufzuhalten vermögen. Mögen die Trübſalsſpritzen, wie Ew. Excellenz ſagen, immerhin jam⸗ mern und ſchreien, die öffentliche Meinung in Deutſchland, in ganz
*) Blüchers Lieblingswort, wenn er von Denen ſprach, die immer Unheil
witterten, und den Frieden mit Napoleon begehrten.
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