die Truppeu in dichten Colonnen dahin zogen, er ritt dem Marktplatz zu, und vor dem großen, alterthümlichen Hauſe dort in der Mitte des Platzes hielt er ſein Pferd an.
In dieſem Hauſe wohnte der König von Sachſen mit ſeiner Ge⸗ mahlin.
Bleiben Sie, rief der Kaiſer ſeinem Gefolge zu, indem er ſich vom Pferde ſchwang, und an den ſalutirenden Schildwachen vorüber in das Haus eintrat.— 5
Droben in dem kleinen Wohnzimmer des Königs herrſchte tiefes Schweigen. Es befanden ſich in demſelben der alte König Friedrich Auguſt, ſeine Gemahlin und die Prinzeſſin Auguſte.
Der König ſaß auf ſeinem Lehnſtuhl, die Hände im Schooß ge⸗ falten, die trüben, glanzloſen Augen den Fenſtern zugewandt, die fort und fort klirrten von den Kanonenſchüſſen und dem Knattern des Ge⸗ wehrfeuers.
Die Königin ſaß unfern von ihm, und ſo oft ein neuer Kanonen⸗ donner rollte, ächzte ſie laut, und bedeckte ſich das Antlitz mit dem von ihren Thränen ſchon feuchten Taſchentuch.
Die Prinzeſſin Auguſte knieete in einer Ecke des Zimmers und murmelte Gebete, während Ströme von Thränen über ihre Wangen dahin floſſen.
Oh, oh, murmelte die Königin jetzt, wie von außen eine neue Salve des Gewehrfeuers krachte, oh, warum trifft nicht eine Kugel mein Herz, und tödtet mich!
Vater dort droben, und Ihr Heiligen Alle erbarmt Euch unſerer! betete die Prinzeſſin mit lauterer Stimme.
Verleihe dem großen, dem edlen Kaiſer Napoleon den Sieg, mein Gott, ſeufzte der König. Ich liebe ihn wie ein Vater, und er hat allzeit mir die Liebe eines Sohnes dargebracht. Ich bin ihm treu geblieben, als Alle von ihm abfielen. Strafe alſo meine Treue nicht, mein Herr und Gott, verleihe Napoleon den Sieg, damit auch ich wieder glücklich werde!
Ein Schrei tönte jetzt von den Lippen der Königin, und ſie flog empor von ihrem Sitz.


