Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Napoleon und Fürst Blücher : 3. Band (1859)
Entstehung
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denden Augenblick da ſind ſie unſchlüſſig und verzagt, und um auch Andere verzagt zu machen, vergrößern ſie die Stärke und Kraft des Feindes um das Hundertfache, und verkleinern unſere Kraft eben ſo viel. Wenn doch der liebe Gott ein Machtwort ſpräche:„der Blücher, der ſoll die Preußen commandiren!“ Lieber Gott, ich ſetz' Dir meinen Kopf zum Pfande, daß ich den Bonaparte mit all ſeinen Franzoſen aus Deutſchland herausſchmeißen und jagen wollt', und wenn ich auch nur dreißigtauſend Soldaten hinter mir hätt'!*)

Rufen Sie ihn jetzt, Herr General, flüſterte Alexander leiſe. Scharnhorſt trat in den Saal und ließ die Portière hinter ſich zufallen. Der König und der Kaiſer verließen das Büffetzimmer, und kehrten in das Audienzzimmer zurück.

Wenige Minuten ſpäter ward die Portière des Büffetzimmers ge⸗ öffnet, und Blücher trat ein, gefolgt von Scharnhorſt, der an der Thür ſtehen blieb, während Blücher, keck und furchtlos vorwärts ſchreitend, bis dicht vor die beiden Fürſten hinging.

Ew. Majeſtät haben die Gnade gehabt, mich rufen zu laſſen, ſagte er, ſich vor dem König verneigend.

Ja, ſagte der König ernſt. Ich wollte Sie fragen, ob Sie auch zu den Halben gehören, oder ob Sie ein ganzer Mann ſind?

Und ich, rief Alexander pathetiſch, ich wollte Sie erſuchen, mir zu geſtehen, ob Sie auch eine Schielwippe ſind?

Blücher ſah die beiden Fürſten mit einem düſtern fragenden Blick an. Aber auf einmal erheiterte ſich ſein Geſicht, und ein leiſes Lächeln umſpielte ſeine Lippen.

Ah, rief er, ich begreife! Die Majeſtäten haben mein Geplauder gehört, und Sie haben mich rufen laſſen, um mir Stillſchweigen zu befehlen. Aber es geht nicht, Majeſtäten, es geht nicht! Ich muß meinen Zorn, meinen Aerger und meinen Kummer ausſprechen! Ich muß ſchelten können, denn wenn ich das nicht thät', ſo müßt' ich weinen, und das wär' doch eine Schande, wenn der Blücher weinen wollt' wie ein altes Weib! Laſſen Sie mich alſo immerhin ſchelten, Majeſtät, es

*) Blüchers eigene Worte. Siehe: Varnhagen, Leben des Blücher ꝛc. S. 136.